Keine Super-Kräne für Hamburg St. Pauli
Hamburg sagt Koons ab

Der US-Künstler Jeff Koons wird nicht wie geplant den Spielbudenplatz auf der Reeperbahn mit einem Kunstwerk aus gigantischen Kränen gestalten. Das heftig umstrittene Projekt, das bisher rund 100 000 Euro verschlungen hat, werde nicht realisiert, erklärte Hamburgs Bausenator Mario Mettbach (Schill- Partei) am Mittwoch.

HB/dpa HAMBURG. Stattdessen solle ein offener Wettbewerb zur Gestaltung des seit Jahrzehnten brachliegenden Platzes ausgeschrieben werden. Unabhängig davon wird der Platz so schnell wie möglich befestigt, um ihn für Wochenmärkte oder andere Aktivitäten nutzen zu können, wie Mettbach sagte.

Die Akzeptanz in Bevölkerung und Politik für die mehr als 100 Meter hohen Koons-Kräne sei zu gering gewesen. Er stehe nach wie vor zu dem Entwurf. Hamburg hätte mit dem Werk des Künstlers Akzente über die Grenzen der Stadt hinaus setzen können. „Mein Verständnis eines Volksvertreters lässt es jedoch nicht zu, eine so weit reichende Entscheidung gegen den erklärten Willen so vieler Hamburgerinnen und Hamburger zu treffen“, betonte Mettbach. Koons sei über die Absage ganz offensichtlich enttäuscht gewesen.

Die Pläne von Koons, den trostlosen Spielbudenplatz mit gewaltigen Kränen und Gummifiguren aufzupeppen, hatten heftigen Widerstand und nur wenig Zustimmung ausgelöst. Die Freie Akademie der Künste tat Koons Vorschlag als „hochgepustete Banalitäten“ ab und forderte schon im Mai einen ordentlichen Wettbewerb. Über den Koons-Vorschlag hatten auch Senat und Bürgerschaft noch nicht entschieden. Doch auch dort gab es deutliche Kritik. Kultursenatorin Dana Horakova sagte, Kunst müsse auch künftig das zentrale Gestaltungselement für den Spielbudenplatz bleiben.

„Außer Spesen nichts gewesen“, kommentierte SPD-Fraktionschef Walter Zucker den Rückzug Mettbachs. Mit seinem Alleingang habe Mettbach nur Schaden angerichtet. „Für diese spinnerte Idee, die nun beerdigt wurde, müssen Hamburgs Steuerzahler mindestens 100 000 Euro bezahlen. Das ist ein klarer Fall für den Rechnungshof“, meinte der SPD-Mann. Der Bausenator habe sich als unfähig erwiesen. Jetzt müsse Bürgermeister Ole von Beust (CDU) die Platzgestaltung zur Chefsache machen.

Der Spielbudenplatz im Herzen St. Paulis liegt seit Jahrzehnten brach oder war mit Buden vollgestellt. Nach einem Wettbewerb sah es 1998 zunächst danach aus, als könnte die Künstlerin Niki de Saint Phalle für die Gestaltung gewonnen werden. Ihr Tod im vergangenem Jahr verhinderte die Realisierung des Projekts.

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