Keith Richards
Rolling-Stones-Star lästert über Krupp-Erben

In seiner Autobiografie mit dem Titel "Life" äußert sich der 67-Jährige Keith Richards wenig schmeichelhaft über den Unternehmersohn Arndt von Bohlen und Halbach. Selbst der Rockstar bezeichnet den Krupp-Spross als Paradiesvogel und "verkommene Figur".
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DÜSSELDORF. Das Jahr 1967 war der Wendepunkt, das Jahr, in dem alle Nähte platzten", erinnert sich Keith Richards, der Leadgitarrist der Rolling Stones. Der Brite, dessen Gesicht heute wie ein ausgetrocknetes Wüstengebirge aussieht, hatte damals in seiner Heimat wegen Drogenbesitz Ärger mit der Polizei. Auf einer Reise durch Marokkko lernte Richards den letzten Krupp, Arndt von Bohlen und Halbach (1938-1986), kennen.

In seiner Autobiografie mit dem Titel "Life", mittlerweile die Nummer zwei der deutschen Bestsellerliste, äußert sich der 67-Jährige wenig schmeichelhaft über den Unternehmersohn: "Eine verkommene Figur, selbst nach meinen bescheidenen Maßstäben." Er nennt den homosexuellen, vergnügungsfreudigen Arndt von Bohlen und Halbach einen "echten Paradiesvogel".

Der Sohn von Alfried Krupp lebte damals in der Villa "Bled Targui", nordwestlich von Marrakesch, die heute für 3,7 Millionen Euro zum Verkauf steht. Von Bohlen und Halbach hatte bereits im September 1966 auf Anraten des Krupp-Generalbevollmächtigten Berthold Beitz auf sein Milliardenerbe verzichtet. Er lebte seitdem von einer jährlichen Zuwendung in Höhe von zwei Millionen Mark und führte ein ausschweifendes Jetsetleben mit Marrakesch als Mittelpunkt. Im Februar 1969 heiratete er aus Vernunftgründen die heute 77-jährige Henriette von Auersperg.

Richards schildert die Begegnung mit dem Spross aus der Stahldynastie in seiner über 700 Seiten starken Autobiografie ausführlich. Der Rockstar wäre damals auf einem Ausflug durch das Atlasgebirge mit einem geliehenen Auto, in dem auch Arndt von Bohlen und Halbach saß, fast mit einem Militärfahrzeug samt Rakete kollidiert. Richards konnte jedoch noch gerade ausweichen, das Militärfahrzeug stürzte aber den Abhang hinunter und explodierte.

Die Hippie-Gesellschaft um Richards und von Bohlen und Halbach setzte ihren Ausflug ungerührt fort. Mit seinem für ihn typischen schwarzen Humor schreibt Richards rückblickend: "Andererseits muss ich sagen, auf dem Rücken einer Dritte-Welt-Rakete in den Abgrund zu rauschen wäre ein tragischer, aber vielleicht der einzig angemessene Tod des Krupp-Erben gewesen."

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Keith Richards: Rolling-Stones-Star lästert über Krupp-Erben"

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  • "Der Opa soll das machen was er am besten kann nähmlich ins Mikro schreien"

    Keith Richards spielt, was Sie wohl als "Stromgitarre" bezeichnen würden.
    Der von ihnen angesprochene Sänger dieser Gruppe nennt sich "Mick Jagger" und die Gruppe selbst "Rolling Stones".

  • Der Opa soll das machen was er am besten kann nähmlich ins Mikro schreien sich von fremden Angelegenheiten raushalten und die Falten im Gesicht mal glätten!!!

  • @alibori: Haben Sie das buch gelesen? ich wette, dass nicht! ich übrigens auch nicht, aber anhand dieses Artikels Keith Richards zu unterstellen, er würde den Krupp-Erben als "Nazischuldigen" anprangern wollen, ist einfach nur lächerlich !!!

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