Ketterer
Drei Grazien locken die Kundschaft

Bei den Ketterer-Auktionen machen wiederentdeckte Künstler der Moderne Preiskarriere. Das Angebot an zeitgenössischer Kunst lockt selbst Sammler in Australien an. Auch die Werke bisher kaum bekannter Maler übertreffen die Taxen um ein Vielfaches; neue Käufer überbieten Stammkunden. Der Markt gibt hier die Initialzündung für späte Wertschätzung.
  • 0

DÜSSELDORF. Was die internationalen Auktionsriesen als „Tag-Auktion“ deklarieren, ist für das Münchener Auktionshaus Ketterer die vor 15 Jahren eingeführte „Entlastungsauktion“. In diese Kategorie fällt auch die Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst vom 22. und 23. Oktober, die 2 Mio. Euro Umsatz brachte. „Das ist absolut beachtlich“, findet Geschäftsinhaber und Auktionator Roman Ketterer. „Vor 15 Jahren machten wir in dem Segment noch zwischen 300 000 bis 400 000 DM Umsatz.“

Für potenzielle Einlieferer liegen die Vorteile auf der Hand. Sie brauchen nicht so lange auf die nächste Versteigerung zu warten, und die Hauptauktionen werden von preiswerter taxierten Werke „entlastet“. Das hat zur Folge, dass diese statt unterzugehen viel aufmerksamer wahrgenommen werden.

Der kaum bekannte Maler Seener verteuert sich auf 58 560 Euro

So geschah es am 22. Oktober auch mit einem Werk des neu entdeckten Dresdener Malers Bruno Paul Seener (1893-1952). Beobachter rieben sich die Augen. Denn nun ist offenbar eines seiner Hauptwerke auf dem Weg in eine südeuropäische Sammlung, bei der es sich mutmaßlich um die eigenwillige, schon seit Jahren dynamisch wachsende Kollektion eines griechischen Reeders handelt.

Für die monumentale, auf Holz gemalte Figurenkomposition „Die drei Grazien“ (1937) musste der Privatmann 58 560 Euro (inklusive Aufgeld) gegen deutsche und internationale Mitbieter u.a. in Hongkong aufbringen – etwas mehr als die dreifache Taxe. Zuvor hatte er schon eine nicht wesentlich geringere Summe für das charaktervolle Damenbildnis von Albert Birkle ausgegeben, ebenfalls für mehr als das Dreifache der Taxe.

Der Erfolg des am Auktionsmarkt bislang kaum in Erscheinung getretenen Bruno Paul Seeners hat im Übrigen weitere Besitzer von Werken des Dresdeners auf den Plan gerufen. Ketterer-Expertin Annegret Thoma ist deshalb guter Hoffnung, dass sie zukünftig wohl doch noch das eine oder andere Bild des Dresdener Malers anbieten kann.

Seite 1:

Drei Grazien locken die Kundschaft

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Ketterer: Drei Grazien locken die Kundschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%