Ketterer
Gewichtige Skulptur für den Privatpark

Kunst bis zu einer Obergrenze von 20.000 Euro versteigert Ketterer am 7. Mai in München. Bemerkenswert ist hier die Auswahl an abstrakter Skulptur der 1960 bis 1980er-Jahre für den Außenbereich.
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MünchenAls „Gartenskulpturen“ bezeichnet das Auktionshaus Ketterer, ein wenig irritierend, die für den Außenraum geschaffenen Plastiken aus einigen süddeutschen Privatsammlungen. Hier geht es nämlich durchaus nicht, wie man zunächst vermuten könnte, um verschnörkelte Steingussgartenbänkchen oder hübsche Kleinbrunnenanlagen, sondern um wirkmächtige räumliche Gebilde aus Cortenstahl, Marmor und Bronze, die sich beispielsweise in einer Parklandschaft behaupten müssen und dabei soviel (Gleich-)Gewicht und Eigendynamik haben, dass ein unmittelbares Spannungsfeld entsteht. In einer Sonderauktion im Rahmen der Versteigerung von Kunst nach 1945 mit Taxen bis maximal 20.000 Euro bringt das Münchener Auktionshaus am 7. Mai 32 Bildhauerarbeiten zum Aufruf. Das Gros entstand in den 1960er- bis 1980er-Jahren: geometrische Abstraktionen, stilisierte Figuren, irritierende Materialverformungen, das zeittypische Formenrepertoire, das sich nun weitaus weniger der materiellen Masse widmet, sondern sich mit der statischen Auslotung, der Equilibristik beschäftigt, und bis heute, bei aller Gediegenheit, von bemerkenswerter Präsenz ist.

Da gibt es eine typische, aus Aluminiumplatten geschichtete „Torskulptur“ von Thomas Lenk (Taxe 4.500 Euro), von documenta-Teilnehmer Erich Hauser eine seiner Kubus-Röhren-Konstruktionen („22/70“, Taxe 15.000 Euro) und Fritz Koenigs zweieinhalb Meter hohe bronzene Blütenstatue „Mona II“, 1971 als Unikat gegossen (geplant waren 3 Güsse, Taxe 40.000 Euro).  Hans Nagels ebenso hohe eiserne Röhrenplastiken („ER 28“) werden auf 2.000 Euro geschätzt, Gianpietro Carlessos in sich gewundenes Bündel geknickter Säulen aus schwarzem irischem Granit auf 9000 Euro.

Vor der Gartenskulptur versteigert Auktionator Robert Ketterer zeitgenössische Kunst nach 1945. Aus dieser Offerte empfiehlt sich für den Innenraum ein charakteristisches 60er-Jahre-Objekt von Harry Bertoia, das die Assoziation Pinsel evoziert. Der 73 Zentimeter hohe „Spray“ aus Stahldraht soll 5.000 Euro einspielen. An Kunstfreunde mit Sinn für Ironie wendet sich der Objektkasten von Martin Kippenberger mit Spielzeug-Indianerchen vor einer ganz zart mit Bleistift und Farbkreide gezeichneter, exotischer Landschaft (4.000 Euro).

 

 

 

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