Ketterer
Überraschende Kauflust sorgt für brillianten Absatz

So voll war der Saal bei Ketterer noch nie, und auch die Gebote überraschten: Viele Gemälde erzielten deutlich höhere Preise als erwartet. Die Gebote kamen von neuen Privaten und vom Handel – das sind Indizien, dass sich der Kunstmarkt schnell erholt.
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MÜNCHEN. Raunende Erklärungsversuche der professionellen Beobachter, erfahrungsgestützte Kommentare der Auktionatoren – doch so richtig schlüssig mag niemand die überbordende Kauflaune der Kunstfreunde beurteilen. Zu guter Letzt hat nun – nach der Villa Grisebach, Van Ham und Lempertz – Ketterer in München seine zweite, die hochpreisige Tranche der Herbstofferte mit ebenso großem Erfolg versteigert. Abgezeichnet hatte sich die Lust auf Kunst schon in der Oktoberauktion.

Die Spitzenzuschläge galten dem eleganten dunkelhäutigem Artistenpaar von Otto Mueller – es ging bei 650 000 Euro netto (780 000 brutto) in eine New Yorker Privatsammlung – und Günther Uecker. Sein „Feld“-Nagelbild spielte gegen viele Telefone bislang eher unvorstellbare 195 000 Euro ein.

Damit ging ein Jahr zu Ende, wie es wohl keiner erwartet hatte. Dem Schrecken zu Jahresbeginn war bald schon das Lamento der Auktionatoren über die zögerlichen Einlieferer gefolgt. Deren Vermutung, dass in diesen Zeiten keine guten Preise erzielt werden können, war obsolet, als qualitätvolle Arbeiten durchaus einsatzbereite Abnehmer fanden.

Nun ließ sich trefflich darüber klagen, dass verkaufsbereite Kunstbesitzer ihr Portfolio mit entsprechendem Kunstanteil nicht anrühren wollen, solange ihnen keine lohnende Investitionsalternative geboten werden kann. Und hier kommen wir allmählich den Impulsen näher, die zum Kunstkauf führen. Geld ist da. Kunst ist schön. Gute Kunst – Unikate – behält ihren Wert. Mit Kunst lässt sich eine Inflationsphase intellektuell und emotional weit angenehmer überdauern als mit unerfreulichen Zahlen.

Für 780 000 Euro geht Otto Muellers Doppelakt nach New York

Kleiner Haken, in schweren Zeiten wird sich das Kunstwerk nicht so leicht versilbern lassen – genauso wenig wie die Immobilie, die ja derzeit auch enorm Konjunktur hat. Sicherheit, Gediegenheit, konservative Strategien – vor kurzem noch Fremdwörter, gar verpönt – sind jedoch das Gebot der Stunde.

Und so kam es dann am 12. Dezember im ungewohnt voll besetzten Saal mit einer stattlichen Telefonriege zu teils schier ausufernden Bietgefechten. Die Gebote kamen von Privatsammlern, Neulingen und – ein weiteres Indiz für eine kräftige Erholung oder eine vorsorgliche Maßnahme zur Lageraufstockung – von Händlern. Die durchweg vernünftigen Schätzungen taten ein Übriges.

Verhaltene Resonanz bei Alten und neueren Meistern

Verhalten war die Resonanz noch beim Ausruf der Alten und neueren Meister. Hier konnte in einer schwachen, lediglich 57 Lose umfassenden Offerte Medardo Rossos eigenhändiger Bronzeguss eines Kinderköpfchens („Bambina Ridente“, vor 1905) überzeugen und gegen das Telefon bei 62 000 Euro (Taxe 30 000) an einen italienischen Saalbieter weitergereicht werden.

Zuvor musste sich ein süddeutscher Spitzweg-Freund gegen andere Telefon- und einen Saalkonkurrenten mit einem Gebot von 54 000 Euro (30 000) behaupten. Das Bildnis einer jungen Frau von Timoleon von Neff, Hofmaler des Zaren Nikolaus I., wurde von russischen Telefonbietern von 25 000 auf 44



000 Euro gehoben. Das furiose Löwenpaar im Kampf mit einem Kaffernbüffel, von Wilhelm Kuhnert im imperialen Format in Szene gesetzt, ging bei 80 000 Euro zurück.

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