Keynote „Wir sind alle unterwegs als Trüffelschweine“

Ann-Kristin Achleitner ist in der Jury, welche über die Vergabe des deutschen Wirtschaftsbuchpreises entscheidet. Sie erzählt über die Arbeit in dieser Jury und auch warum das Buch von Narari ausgezeichnet wurde.
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Prof. Ann-Kristin Achleitner sprach bei der Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises über die inspirierende Arbeit der Jury.
Prof. Ann-Kristin Achleitner

Prof. Ann-Kristin Achleitner sprach bei der Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises über die inspirierende Arbeit der Jury.

Ich könnte über Innovationen und ihre Finanzierung sprechen, die digitale soziale Marktwirtschaft oder aber über Corporate Governance. Aber irgendwie dünkt es mich, als nähme ich Sie hier als Geisel. Lassen Sie mich deswegen etwas anderes machen – unsere Arbeit in der Jury für den Wirtschaftsbuchpreis thematisieren, denn der gehöre ich an. Vielleicht ist es ja inspirierend, wie wir arbeiten und warum. Dass wir als Gruppe trotz allen Aufwands über viele Jahre so relativ stabil zusammen sind, zeigt ja, dass es uns etwas bedeutet – uns inspiriert.
Persönlich sehe ich es als einen Beitrag zu lebenslangem Lernen. Jetzt werden Sie sagen: Ich bin doch gerade als Wissenschaftlerin eh in einem immerwährenden Strom neuer Dinge, die ich lese. Stimmt. Aber es gibt doch Muster: Was man vor allem liest – das ist inhaltlich bedingt, branchenbedingt, vorurteilsbedingt.

Die besten Wirtschaftsbücher des Jahres
Jutta Allmendinger
1 von 10

Das Land, in dem wir leben wollen - Wie die Deutschen sich ihre Zukunft vorstellen

Pantheon, 272 Seiten, 16,99  Euro

Johannes Becker, Clemens Fuest
2 von 10

Der Odysseus-Komplex - Ein pragmatischer Vorschlag zur Lösung der Eurokrise
Hanser, 285 Seiten, 24 Euro

Thomas L. Friedman
3 von 10

Thank you for being late - Ein optimistisches Handbuch für das Zeitalter der Beschleunigung
Lübbe, 480 Seiten, 24 Euro

Rainer Hank
4 von 10

Lob der Macht

Klett-Cotta, 272 Seiten, 20 Euro

Yuval Noah Harari
5 von 10

Homo Deus - Eine Geschichte von Morgen

Beck , 576 Seiten, 24,95 Euro

Nicolaus Heinen, Jan Mallien, Florian Toncar
6 von 10

Alles auf Anfang - Warum der Euro scheitert und wie ein Neustart gelingt

Campus, 235 Seiten, 24,95 Euro

Hans-Jürgen Jakobs
7 von 10

Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus

Knaus, 680 Seiten, 36 Euro

Ein Jurymitglied sagte dieses Jahr über ein Buch markant: „Es öffnet mehr Augen, als man hat.“ Bräuchten wir ein Maskottchen heute Abend, wäre es die Libelle, die besitzt anscheinend die meisten Augen. 10 000 bis 35 000 Einzelaugen bilden die zwei Komplexaugen, mit denen sie ein mosaikartiges Bild ihrer Umgebung hat. Jedes Einzelauge besitzt dabei eine winzige Linse, sowohl für den Nahbereich als auch für weit entfernte Objekte.

Sie hat eine beinah komplette Rundumsicht. Das Phänomen, dass wir eher lesen, was in unseren Pfad fällt, kennen wir alle. Zumindest bei Zeitungen hatte ich einen inspirierenden Moment vor ungefähr zwölf Jahren, als Miriam Meckel in einem Interview beschrieb, wie eine fokussierte Nachrichtenverarbeitung nach Interesse dazu führt, dass man sich eingrenzt – im Unterschied zum Lesen einer Tageszeitung, bei der man über das ganze Feld blickt und mal hängen bleibt. Seit dem Tag lese ich nur Zeitungen, meist als PDF.

Wie also bei Büchern wählen? Bei der Eröffnung der Buchmesse wurde eingeräumt, dass wir in Titeln ertrinken – Amazon bietet heute demnach, alle Formate zusammen, rund 50 Millionen Buchtitel an. Es geht also darum, zu filtern – und dabei den richtigen Filter zu nutzen. Oder aber, wenn gefiltert wird, sich bewusst zu sein, wie dies geschieht.
Jay Rosen, ein Professor für Journalismus an der New York University, führt dazu aus, dass es in der digitalen Welt nicht darauf ankommt, Dinge auszusortieren, sondern im übertragenen Sinne die Nadel im Heuhaufen zu finden. Dazu führt er drei intelligente Filterarten auf:
· Eine smarte Person nimmt viel auf und sagt, was wir wissen sollten – klassischerweise, wie er schreibt, der Herausgeber einer Zeitung.
· Ein Algorithmus geht durch die Wahlentscheidungen anderer smarter Leute, rankt diese und gibt uns die Top-Resultate – also ungefähr so, wie Google arbeitet.
· Eine Anwendung aus dem Bereich des Machine-Learning lernt mit der Zeit unsere Interessen und Prioritäten und filtert in immer smarterer Weise. Amazon funktioniert so.

„Fast alles beeinflusst Wirtschaft“
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  • Fortsetzung meines Kommentars:

    … am ehesten die Mittel und Möglichkeiten hat, dafür zu sorgen, dass sich an solchen Zuständen nachhaltig etwas ändert.

    * »Die Schweineschwarten, die wir zur Herstellung unser Produkte einsetzen, stammen ausschließlich von gesunden Tieren, die in zugelassenen, zertifizierten Schlachthöfen geschlachtet wurden ( ….) und nach der amtlichen Fleischuntersuchung für genusstauglich befunden wurden.« / „Auf die Zustände auf den Farmen angesprochen, schreibt uns Haribo, ein Verstoß gegen die Richtlinien des Unternehmens sei Haribo nicht bekannt. Und weiter: "Wir danken Ihnen für den Hinweis und werden dieses Thema auch proaktiv über unsere Lieferanten nachverfolgen. Wir sind ein Unternehmen, was Kindern und Erwachsenen eine Freude machen will. Die Missachtung von sozialen und ethischen Standards können und wollen wir daher nicht akzeptieren." (Quelle: http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/markencheck/sendung/markencheck-folge-2-102.html)


    (Korrektur im Text vom 17.10.2017, 20:01 Uhr):

    „… – „Entwarnung“ signalisiert bzw. bestätigt wurde, dass den beschriebenen Missständen n i c h t n u r tatsächlich nachgegangen wurde, wie (…) versprochen (*s.u.), sondern …“

  • Nur am Rande: Um herauszufinden, wie es konkret um das Thema "Corporate Governance" bestellt ist, lohnt es sich immer wieder mal, sich die TV-Reportagen und -Dokumentationen der öffentlich-rechtlichen Sender anzusehen.

    So auch hier:

    Dass man bei einer Süßigkeit allen Ernstes die gesundheitlichen Aspekte beleuchtet finde ich ja schon etwas „nickelig“; dass Süßigkeiten in erster Linie aus Zucker bestehen und auch sonst nicht gerade einen Beitrag zur gesunden Ernährung darstellen, sondern in erster Linie ein Genussmittel sind, dürfte ohnehin jedem bekannt sein (zumal auch jeder seinen Süßigkeitenkonsum noch mit anderer Nahrung zu ergänzen pflegen dürfte).

    Aber was da über die Zustände in den Betrieben der Lieferkette ans Licht kam, und insbesondere, dass man sich bei Haribo diesbezüglich auf irgendwelche „Richtlinien“, um deren Einhaltung man sich (ganz offensichtlich) sich weiter gekümmert hat, wenn man dann mit solchen Schockbildern konfrontiert wird – und offenbar hofft, dieses „Problem“ mit ein paar ebenso geschliffenen wie wohlfeilen Statements abbügeln zu können, ist ganz einfach nicht hinnehmbar.

    Mir jedenfalls ist der Appetit auf Haribo-Produkte gründlich vergangen, und ich werde sie so lange nicht mehr kaufen, bis mir auf gleichem Wege – in diesem Falle also über die Medien, hier ARD/ZDF – „Entwarnung“ signalisiert bzw. bestätigt wurde, dass den beschriebenen Missständen tatsächlich nachgegangen wurde, wie von Haribo in seiner Stellungnahme versprochen (*s.u.), sondern dass sich daran tatsächlich und nachhaltig etwas geändert hat. Vorher nicht.

    Dass die gezeigten Missstände aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf die meisten anderen Unternehmen zutreffen dürften, die für die Herstellung ihrer Produkte Carnaubawachs und/oder Lebensmittel tierischer Herkunft beziehen, ändert nichts daran, dass gerade ein Konzern wie Haribo - allein schon wegen seiner Marktposition und dem damit verbundenen Einfluss - am ehesten die Mittel und Möglichkeiten hat, dafür zu ...

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