Kiefer arbeitet gerne mit dem Material Blei: Anselm-Kiefer-Ausstellung in Kunsthalle Würth verlängert

Kiefer arbeitet gerne mit dem Material Blei
Anselm-Kiefer-Ausstellung in Kunsthalle Würth verlängert

Kaum ein anderer deutscher Künstler hat international solche Kontroversen über die mögliche politische Dimension seiner Kunst ausgelöst wie der 1945 geborene Maler und Installationskünstler Anselm Kiefer. Seine laufende Ausstellung in der Kunsthalle Würth ist jetzt bis zum 22. Mai verlänger worden.

HB DÜSSELDORF. Die Werke der 70er Jahre wenden sich explizit der deutschen Geschichte zu. Sie zählen zweifelsohne zu den eindrucksvollsten Historienbilder der Nachkriegszeit, in denen sich der Betrachter mit einer von Vergangenheit zerfressenen, zerstörten Gegenwart konfrontiert sieht. Für Kiefer ist Malerei Weltdeutung, die immer auch mit der Aneignung des Unbegreiflichen zu tun hat und nicht mit Vergegenwärtigung subjektiver Erfahrungen oder formaler Recherchen.

Seine Bilder sind „Historienbilder (…) der antiheroischen Gattung, die nicht Siege, sondern ausschließlich Desaster vorführt. Nichts wird heroisiert. Affirmativ erscheint allein dann und wann die Trauer, die sich an die Evokation großer, verlorener Namen kettet.“ (Werner Spies).

Auch die Heldennamen, die er seinen Bildern einschreibt, sind solche Beschwörungsformeln. „Es gibt Namen“, so Kiefer, „die haben eine bestimmte Aura: Märkischer Sand, Königgrätz, Dreilinden. Oder jüdische Namen, etwa Lilith. Man braucht gar nicht viel darüber wissen, um damit arbeiten zu können. Der Name erzeugt so eine Ahnung, ein Gefühl, dass dahinter etwas verborgen ist. Der Name Jason hat diese Aura. Und dieser Mythos steckt in einem, ohne dass man darüber gelesen hat“.

Seit sich der Künstler vor mehr als zehn Jahren im französischen Barjac, niedergelassen hat, sind Bilder, die sich mit deutscher Historie und Mythologie befassen, fast völlig verschwunden. Hin und wieder treten an ihre Stelle andere Heroen. Mao Tse Tung etwa, dessen Postulat "Lasst tausend Blumen blühen" zwar den Pluralismus in der chinesischen Gesellschaft befördern wollte, dessen Politik aber jegliche Ansätze von Vielfalt im Keim ersticken ließ. Vor allem aber sehen wir uns nun Himmelskarten, Sternennebeln, kosmologischen und alchemistischen Rätseln gegenübergestellt. Denn nahm in den frühen Werken die Vergangenheit existentielle Formen an, so weisen die neuen den „Übergang von einer genau begrenzten Geschichte zu einer globaleren oder auch geologischen Geschichte“ (Kiefer) auf.

Und so erwecken auch die gewaltigen, tonnenschweren, bleiernen Bibliotheken, deren Material aus dem alten abgedeckten Dach des Kölner Domes gewonnen wurde, den Eindruck, als beschützten sie ein archaisches Wissen, „das bis in eine mythische Phase der Geschichte zurückreicht, wo die Menschen noch mit den Göttern Handel trieben“ (Daniel Arasse).

Traumwandlerisch sicher bewegt sich der Künstler nun auf dem schmalen Grat zwischen Symbolischem und Konkretem. Dort wo Mythologie sich mit Wissenschaft verbindet, Mikro- und Makrokosmos eins werden und ein Pflanzenkeim gleichzeitig auch ein erloschener Stern ist.

Mit zahlreichen, bislang nicht gezeigten Werken, von denen über die Hälfte aus den Beständen der Sammlung Würth stammen, ist die Ausstellung in der Kunsthalle Würth zugleich die erste deutsche Werkschau Anselm Kiefers seit über zehn Jahren.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter »Kunsthalle Würth.

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