Kino
Die Arbeiterklasse des 21. Jahrhunderts

Schweiß, Schmutz und Blut prägen den Dokumentarfilm „Workingman's Death“, der seit 18. Mai in den deutschen Kinos läuft. Der Regisseur Michael Glawogger zeigt an Hand verschiedener Schauplätze, wie körperliche Schwerstarbeit heute aussieht. Und wie gut es uns Westeuropäern doch heutzutage geht. Vielleicht ein Vorbild für den Rest der Welt?

DÜSSELDORF. In Deutschland stagniert die Arbeitslosenzahl bei 4,7 Millionen. Trotzdem sind sich viele Menschen zu fein, harte körperliche Arbeit anzunehmen. Lieber beschweren sie sich über ihre schlechte Situation. Dabei gibt es andernorts auf der Erde Menschen, die unter extremsten Situationen arbeiten müssen, um zu überleben. Es ist die Arbeiterklasse des 21. Jahrhunderts. Und sie beschweren sich nicht. „Die Situation in der wir leben, ist eine privilegierte“, sagte Pepe Danquant, einer der Produzenten im Interview mit Handelsblatt.com.

In dem Film „Workingman's Death“ – zu deutsch: Der Tod des Arbeiters – beschäftigt sich der österreichische Regisseur Michael Glawogger mit diesen Menschen. Er zeigt Leute, die auch heute noch körperliche Schwerstarbeit leisten müssen – jeden Tag. „Dass 80 Prozent der Menschheit noch unter Konditionen des 19. Jahrhunderts arbeitet, ist den meisten gar nicht so klar", sagt Produzent Danquard.

Die Reise führt zu fünf Schauplätzen in der ganzen Welt, wo Menschen unter extremen Arbeitsbedingungen ihren Alltag beschreiten. Als Kontrast zeigt Regisseur Glawogger das ehemalige Stahlwerk in Duisburg-Meiderich, das heute als Freizeitpark genutzt wird.

Stirbt der „Workingman“?

Die zentrale Frage des Films ist „Stirbt der Arbeiter aus oder wird er nur unsichtbar?“. Denn obgleich in der westlichen Welt körperliche Arbeit zur Ausnahme wird, gibt es sie andernorts noch zur Genüge. „Unsichtbar wird es dadurch, dass man nicht mehr hinschaut“, sagt Danquart.

Ein prägnantes Beispiel dafür sind die in der Ukraine gedrehten Sequenzen. Im ehemals reichsten Bergbaugebiet der Welt, im Donetsk-Becken, ist der Stolz auf die Arbeit Vergangenheit. Nur noch wenige Vorzeigewerke sind hier in Betrieb. Der Rest musste geschlossen werden. Die Schächte sind veraltet, unrentabel und gefährlich wegen des ausströmenden Methangases. Viele der arbeitslosen Kumpel fördern Kohle in selbstgegrabenen oder von anderen aufgegebenen Minen – teilweise nur 40 Zentimeter hoch – zum Eigenbedarf und Verkauf. Doch das ist verboten und wird von der Polizei verfolgt.

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