Kino-Renaissance
Deutschland entdeckt den Dokumentarfilm

Hollywood pflastert in diesem Sommer wieder die Kino mit Blockbustern. Deutschland entdeckt derzeit allerdings die als Langweiler verschrienen Dokumentarfilme für sich. Egal, ob über Ayrton Senna oder Joschka Fischer.
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DüsseldorfInternational ist der Trend zu Action- und Fantasie-Filmen ungebrochen, doch in Deutschland zeichnet sich eine neue Entwicklung ab: Immer mehr entdeckt der Dokumentarfilm das Kino für sich. Allein diese Woche laufen drei Titel an, die dem Leben von „echten“ Menschen mit filmischen Mitteln nachspüren - allen voran „Joschka und Herr Fischer“ über den früheren deutschen Außenminister. Auch in den kommenden Wochen und Monaten stehen immer wieder Geschichten aus dem wahren Leben auf den Startlisten.

„Der Dokumentarfilm ist aus seinem Schattendasein getreten. Er hat erkannt, was die Zeichen der Zeit im Kino sind, und hat sie umgesetzt“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Filmakademie, Alfred Holighaus, der lange Jahre bei der Berlinale den deutschen Film betreute. Die immer kleineren Kameras machten es möglich, näher an die Menschen heranzukommen und ihre Geschichten intimer zu erzählen. Auch die niedrigeren Produktionskosten spielen eine Rolle. „Die Genres haben sich zunehmend gemischt, der Dokumentarfilm hat Unterhaltungswert bekommen“, sagt Holighaus.

Prominentestes Beispiel ist Pepe Danquarts Porträt über Ex-Außenminister Fischer (Start 19. Mai). Der oscarprämierte Regisseur, der schon mit seinen Sport-Dokumentationen über Radprofis („Höllentour“) und Extremkletterer („Am Limit“) für Aufsehen sorgte, berichtet anhand von Fischers Leben über 60 Jahre deutsche Geschichte - allerdings mit wenig kritischem Abstand, wie einige meinen. „Für mich ist das die außergewöhnlichste Biografie, die ich kenne“, sagt er.

Die Faszination des Sports ist in zwei weiteren Porträts das Thema. Bereits angelaufen ist „Senna“, eine rasante Dokumentation über den 1994 tödlich verunglückten legendären Formel-1-Piloten Ayrton Senna. Und am 16. Juni kommt „Klitschko“ in die Kinos. Regisseur Sebastian Dehnhardt geht der Biografie der beiden berühmten Boxbrüder Wladimir und Vitali in 110 Minuten mit viel Spürsinn und Beharrlichkeit nach. Nicht nur die glänzenden Erfolge sind zu sehen, sondern auch Durststrecken, Niederlagen und erbarmungsloses Dauertraining. Erstmals treten auch die Eltern vor die Kamera.

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