Kino
Süchtig nach dem großen Stoff

Wolfgang Petersen ist der Regisseur des dritten Weges. Sein neuester Film „Troja“ hat am Sonntag Premiere in Berlin.

Regisseure sind Egomanen, manchmal Tyrannen, jedenfalls in den Tagen vor einer wichtigen Premiere unansprechbar. Auch wer bei den Petersens in Los Angeles anruft, muss zunächst mit dem Anrufbeantworter vorlieb nehmen. Doch die Stimme des Erfolgsregisseurs blockiert Zudringlichkeiten ganz anderer Art: „Bitte haben Sie Verständnis, wenn Maria derzeit keine tierbezogenen Anfragen entgegennehmen kann.“ Petersens Ehefrau ist engagierte Tierschützerin, seit den beiden vor 17 Jahren eine Katze zulief. Inzwischen wird sie mit Anrufen aus der Szene bombardiert.

Dieses Zurückstellen der eigenen Person – es ist bezeichnend für Wolfgang Petersen. Er gilt nach den Maßstäben der Branche als verbindlich und uneitel, als erster Diener seiner Filme. Kein Schauspieler, der seine einfühlsame Führung nicht nach Abschluss der Dreharbeiten in höchsten Tönen lobt.

Petersen gehört zu den wenigen Hollywood-Regisseuren, die in den vergangenen Jahren eine lückenlose Kette von Kassenerfolgen vorzuweisen haben. Doch noch immer sind es vor allem die Hauptdarsteller, mit denen für Petersen-Filmen getrommelt wird. So war es mit Clint Eastwood in „In the Line of Fire“, mit Dustin Hoffman in „Outbreak“, mit Harrison Ford in „Air Force One“, mit George Clooney in „Der Sturm“.

Und das wird jetzt bei „Troja“ nicht anders sein: Brad Pitt, Sexsymbol für beide Geschlechter, spielt in dem antiken Epos die Rolle des muskelbepackten Achilles – das dürfte zumindest für den Rückfluss eines gewissen Teils der astronomischen Produktionskosten bürgen. Fast 200 Millionen Dollar haben die Dreharbeiten in Malta, Mexiko und Londoner Studios verschlungen.

Petersen könnte sich rühmen, in Hollywood zum Club der Budget-Giganten zu gehören. Und was tut er? Im Gespräch mit dem Weekend Journal verweist er darauf, dass er ein Steuersparmodell des britischen Staates in Anspruch genommen habe, was Warner Brothers eine Rückerstattung in Höhe von 30 Millionen Dollar garantiere. „Das hängt damit zusammen, dass ich fast komplett mit einem englischen Team gedreht habe. Nichts, aber auch gar nichts an diesem Film ist in den USA entstanden.“

Antiker Stoff, europäische Crew. Petersen strebt mit „Troja“ ganz bewusst zurück zu den Wurzeln – eine halbe Heimkehr. Er könne sich auch vorstellen, wieder in Deutschland zu drehen, lässt er durchblicken, etwa in den Studios von Babelsberg. „Aber es ist eine Frage des Stoffes. Ich gehe immer dahin, wo der große Stoff ist.“

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