Kinofilm über Apple-Gründer
Jobs' Heiligenschein übersteht auch einen Film

Steve Jobs hautnah: In den USA ist der lang erwartete Spielfilm über den Apple-Gründer angelaufen. Zu sehen sind Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg eines schwierigen Charakters. Handelsblatt Online hat den Film gesehen.
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New York„Du bist gut, verdammt gut“, herrscht ein Chef im Businesshemd seinen Untergebenen an, „aber du bist ein Arschloch“. Die Szene spielt in den 70er-Jahren auf den Fluren des Elektronikkonzerns Atari, und der Angeschrieene ist der junge Steve Jobs – übelriechend, barfüßig und bärtig. Natürlich lässt er sich nicht einschüchtern. Er lächelt überlegen und verlangt sein eigenes Projekt.

Damit ist der Ton gesetzt für den lang erwarteten, ersten Spielfilm über den 2011 verstorbenen Apple-Gründer. „Jobs“, so der Titel des biographischen Films, läuft an diesem Freitag in US-Kinos an (der Termin für den Deutschland-Start ist noch unbekannt). Regisseur Joshua Michael Stern und Drehbuchautor Matt Whiteley zeigen darin Jobs` Tüfteleien zusammen mit Kumpel Steve „Woz“ Wozniak in der berühmten Garage, wie Jobs Apple groß machte, wie er später vor die Tür gesetzt und schließlich als Retter zurückgeholt wurde. Gleichzeitig will „Jobs“ den Menschen Steve Jobs darstellen, mit seinen Stärken und seinen Schwächen.

Viel Stoff, leider offenbar zu viel für die Filmemacher: „Jobs“ bleibt die gesamten zwei Stunden über flach. Es ist ein mittelmäßiger Film geworden, höchstens.

Das liegt überraschenderweise nicht an Hauptdarsteller Ashton Kutcher, der viel retten kann. Das Teenie-Idol war bislang vor allem durch Comedy-Serien („Two And A Half Men“) aufgefallen, und viele hatten ihm die Rolle nicht zugetraut. Doch Kutcher sieht seinem Subjekt nicht nur verblüffend ähnlich, er verkörpert es geradezu: Der gebeugte Gang, die Stimme, das leicht arrogante Lächeln.

Kutcher hätte das Zeug gehabt, Jobs´ faszinierende Persönlichkeit noch tiefer zu studieren, zu erklären, wie und warum der Technologie-Messias zu seinen Entscheidungen kam und wie er sich über die Jahre veränderte. Doch leider gestattet das Drehbuch keinen wirklich nahen Einblick oder gar neue Erkenntnisse. Zu sehr ist der Film damit beschäftigt, die Ereignisse aneinanderzureihen und Jobs in gefühlt hundert Einstellungen zu zeigen, wie er nachdenkt, visionär guckt und pathetische Reden hält.

Wenn es eine Klammer gibt, die die Handlung zusammenhält, dann ist es das: Jobs` unbeugsames Streben, die Welt ästhetischer und einfacher zu machen. Den Menschen Geräte zu geben, die „ans Herz gehen“, wie er an einer Stelle sagt. Geräte, von denen die Kunden noch gar nicht wissen, dass sie sie einmal brauchen werden. Das sagt er sehr oft, und die Jobs-Fans werden das mögen.

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Ein cholerischer Kontrollfreak

Kommentare zu " Kinofilm über Apple-Gründer: Jobs' Heiligenschein übersteht auch einen Film"

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  • Und nach dem, was die Coen Brüder mit Hudsucker abgeliefert hatten wird ein vernünftiges Drehbuch nicht eben leichter werden.

  • Fincher hatte sich schon mit 'social network' "blamiert": Kult kann man nicht verfilmen.
    Die "Alten" wußten schon: Propaganda kann man nur mit Mitteln der Propaganda verfilmen zu Lebzeiten: was anderes vertragen so fragile Figuren einfach nicht in ihrer selten schlichten Verfasstheit.

    Man muß einfach den Mut haben so dumm zu sein wie die Menschen, um sie zu faszinieren: MZ und SJ machen es vor.
    Was in der Erkenntnistheorie tödlich ist: in der Produktvermaktung bleibt das schlichtweg das Billet in Megaerfolge.

    MZ bleibt blöd.
    Aber Jobs: das wird noch ca 20 Jahre brauchen bis es dazu ein halbwegs vernünftiges Drehbuch geben wird.

    Die Menschen halten sich ja nicht für blöd wenn die Apple einkaufen: die empfinden sich als Hyped.

    So einen Hype findet man in den Sümpfen menschlichen Empfindens: zu dreckig um benennbar zu sein als Nachruf.

  • … oder wir machen das mit den Fähnchen ;–))

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