Kinostart
John Rabe: Der gute Mensch von Nanking

Zum Kinostart von „John Rabe“ zeigt Siemens nur wenig Interesse an dem Film. Dabei ehrt der einen heldenhaften Mitarbeiter. Mit welchen Widrigkeiten Regisseur Florian Gallenberger zu kämpfen hatte – nicht nur in China.

MÜNCHEN. Es ist eine der eindrucksvollsten humanitären Aktionen des 20. Jahrhunderts: Als die japanische Armee im November 1937 die damalige chinesische Hauptstadt Nanking überfiel und wochenlang Gräueltaten an Soldaten und Zivilbevölkerung verübte, wurde der Hamburger John Rabe zum Helden. Rabe war Kaufmann, Chef der Siemens-Niederlassung in Nanking. Als Leiter der Sicherheitszone für die Zivilbevölkerung beschützte er mindestens 200 000 Zivilisten vor den japanischen Massakern. 600 Flüchtlinge brachte er allein in seinem Haus unter.

In China gilt er seither als „Guter Mensch von Nanking“ und als „Lebender Buddha“. In Deutschland geriet er zunächst in Vergessenheit. Jetzt soll Rabe zurückkehren ins Bewusstsein der Deutschen: Oscar-Preisträger Florian Gallenberger, 37, hat in Hollywood-Manier einen Spielfilm über Rabes Aktion in Nanking gedreht. „John Rabe“ kommt am heutigen Donnerstag in die Kinos. Spannend ist nicht nur der Streifen selbst, sondern die Geschichte hinter dem Film. Denn Gallenberger stach mit dem Film über den Kaufmann in ein Wespennest aus politischen und wirtschaftlichen Interessen.

Als der Regisseur in China um eine Drehgenehmigung ersuchte, erlebte er eine Überraschung. „Ich dachte, die Chinesen freuen sich über mein Projekt. Doch die Behörden teilten mir mit, ein chinesischer Kollege arbeite bereits an dem Stoff, und einen anderen Film solle es nicht geben“, erläutert Gallenberger im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Er vermutet, dass China heute ein Problem damit hat, dass die Bevölkerung von Nanking damals auf den Schutz von Ausländern angewiesen war. „China will heute als Größe und als Macht wahrgenommen werden. Hilflose Bewohner von Nanking, die bei Ausländern Schutz vor den japanischen Aggressoren fanden, passen nicht in dieses Bild.“ Außerdem befinde sich China seit langem in einem Versöhnungsprozess mit Japan – alte Wunden aufzureißen erscheint da inopportun. In Japan ist das Nanking-Massaker, bei dem schätzungsweise 200 000 Menschen starben und 20 000 Frauen vergewaltigt wurden, ein Tabuthema, da es mit Scham und Schande zu tun hat.

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