Klassische Moderne
Auftakt für eine Oskar Schlemmer-Renaissance

Das Urheberrecht des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer ist Anfang des Jahres erloschen. Aus dieser Ecke hat die Kunstwelt nun keine Streitereien mit den Erben mehr zu befürchten. Das Bayerische Staatsballett tanzt ohne Bedenken wieder das  „Triadische Ballett“.
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MünchenWegen zahlreicher Querelen um Lizenzen, Werktreue und verweigerter Abdruckgenehmigungen hatte der deutsche Kulturbetrieb in den letzen Jahrzehnten die Lust an Oskar Schlemmer etwas verloren. 70 Jahre sind jetzt seit dem Tod des Malers, Graphikers und Choreographen vergangen. Damit sind die Rechte an seinem Werk, aber auch der Weg zu einer längst überfälligen Renaissance eines bedeutenden Moderne-Künstlers frei.

Den Anfang machte im Juni das Bayerische Staatsballett. Schlemmers avantgardistische Tanz-Figuren mit dem buntgestreiften Tellerrock und den Kugelhänden, der technoid-tumbe Taucher, der wattig ausstaffierte Harlekin oder die Scheibentänzer seines legendären "Triadischen Balletts" erlebten in München ihre Wiederauferstehung. Ein Spiel der Farben und der streng geometrischen Formen in freiem Raum war zu erleben. Märchenhaft und futuristisch zugleich, wenn etwa mit der Drahtrockfigur das Maschinenzeitalter heraufbeschworen wird. Schlemmers Ballett ist ein Meilenstein der Avantgardekunst. Schon in den 1920er-Jahren versuchte er, die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Tanz zu überwinden.

Kaum Dokumente von der Uraufführung

Kokett und zärtlich, anmutig und kühl stilisiert interpretieren die Tänzer und Tänzerinnen der Junior-Company des Bayerischen Staatsballetts die abstrahierten, konstruktiv reduzierten Figuren Schlemmers. Sie geben ihnen Eigenleben und Charakter. Vor Jahren hatte das Bayerische Staatsballett eine Version des Triadischen Balletts mit Robert Wilson mit Musik von Phil Glass ins Auge gefasst. Das Projekt scheiterte am Einspruch des Schlemmer-Nachfahren Raman Schlemmer. Da war die Luft bei allen Beteiligten erstmal raus.  

In der jetzigen Aufführung bezieht sich Münchens Ballett-Direktor Ivan Liška  auf die choreographische Neufassung Gerhard Bohners aus dem Jahr 1977 mit der Musik von Hans-Joachim Hespos. Von der Stuttgarter Uraufführung von 1922 sind kaum Dokumente erhalten. Doch dieses Ballett lebt von der Ausdruckskraft der phantasievollen Kostüme, die den Originalen sehr nahe sind.

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Erste Schlemmer-Retrospektive seit fast 40 Jahren

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