Klassische Moderne
Britische Exzentriker machen Preiskarriere

Christie’s jüngste Auktion mit Moderne aus Großbritannien brachte sensationelle Zuschläge. Aber das ist nur der Anfang. Mitte Juni kommt bei Sotheby’s die Sammlung Evill-Frost unter den Hammer.
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LondonMit Höchstpreisen für die großen britischen Exzentriker L.S.Lowry und Stanley Spencer hat Christie’s eine der wichtigsten Auktionsserien für moderne britische Kunst seit Jahren eröffnet. Die Rekordauktion erlöste 18 Millionen Pfund. Dabei war die Auktion nur der Auftakt. Sotheby’s dürfte dem Erfolg am 15. Juni mit der Versteigerung der Nachlass-Sammlung Evill/Frost die Krone aufsetzen. Dann werden u.a. zentrale Werken Stanley Spencers versteigert, die seit Jahrzehnten nicht zu sehen waren.

Christie’s Serie von Höchstpreisen, zu der auch Toppreise für die sogenannten „schottischen Colourists“ gehörten, zeigt das wachsende internationale Interesse an der britischen Moderne. Während Malergrößen wie Francis Bacon, Lucien Freud oder Frank Auerbach und Bildhauer wie Henry Moore und Barbara Hepworth seit langem zur internationalen Szene gehören, wurde die Nachfrage nach „modern british“ in den letzten Jahren auf breiter Front vor allem durch britische Käufer angetrieben. Aber das ändert sich.

Millionenzuschlag für ein Fußball-Bild

Herausragend war der Rekordpreis von 5.6 Millionen Pfund (6,5 Millionen Euro) für „The Football Match“ des Nordengländers Laurence Stephen Lowry auch, weil er laut Christie’s am 26. Mai von einem „europäischen Privatsammler“ bewilligt wurde. Das Bild zeigt den Blick über die Fabriklandschaft bei Salford, wo Lowry lebte, und eine Menschenmenge, die um einen Fußballplatz steht; vielleicht Lowrys Club Manchester City. Das Bild war zuletzt 1992 in der Auktion und brachte 132.000 Pfund. 2000, als der Lowry Markt bereits massiv in Bewegung geraten war, wechselte es privat für eine ungenannte Summe den Besitzer. Nun hatte Christie’s im Wissen um die Bedeutung des Bildes bereits 3,5 bis 4,5 Millionen Pfund als Taxe angesetzt, mehr als der bisherige Spitzenpreis von 3,7 Millionen Pfund, der 2007 für „Good Friday, Daisy Nook“ erzielt wurde.

Lowry lenkt wie kein anderer Maler den Blick auf die Massen der modernen Industriegesellschaft. Er macht durchaus individualistisch gesehene Menschen in der Menge zum Sujet seiner Malerei, ohne der Trübsal eines sozialistischen Realismus zu erliegen. Seine scharf beobachteten „Strichmännchen“ haben inzwischen international höchsten Wiederkennungswert.

Mix aus Religiösem und Erotischen

Stanley Spencers „Crucificion“, gemalt 1934, war 1990 das erste Werk des Malers, das über eine Million Pfund kostete, nun erzielte es mit 2 Millionen Pfund (Schätzung 1 bis 1,5 Millionen Pfund) einen neuen Rekordpreis. Spencer malte zwar jede Menge Hinterhofidyllen und Blumenstilleben, seine großen Beichtstücke kommen aber selten auf den Markt. Sie sind im Duktus der neuen Sachlichkeit und der internationalen europäischen Malerei der frühen 30er Jahre verpflichtet. In ihren besten Exemplaren verschmelzen sie Religiosität und neurotische Erotik.

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