Klassische Moderne
Edvard Munch und die "neuen" Medien

Im Spätwerk von Edvard Munch haben Fotografie und Film markante Spuren hinterlassen. Der norwegische Maler reagierte auf die Bildformen der illustrierten Presse und des Kinos. Das führt eine fulminante Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle vor Augen.
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Frankfurt a. MainEr trank und liebte heftig und brach immer wieder nervlich zusammen. Eine Disposition, die den norwegischen Maler Edvard Munch geradezu für ein ruhmreiches Nachleben prädestinierte. Er selber wäre aber sicher der Letzte gewesen, der mit dieser einseitig psychologisierenden Deutung einverstanden gewesen wäre. Munch, der 1944 im Alter von 81 Jahren starb, war nämlich keineswegs der zurückgezogene, angstvolle Künstler, zu dem ihn die Nachwelt gerne stilisierte. Er war im Gegenteil ein recht beweglicher, interessierter Mensch. Er ging ins Kino, hörte Radio, fotografierte, las die internationale Presse und verfolgte die politischen und künstlerischen Debatten. Die am Centre Pompidou erarbeitete große Munch-Schau in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zeigt jetzt, wie viele Spuren das in seinem Schaffen hinterlassen hat.

Paris hat seine Spurensuche auf das bislang wenig erforschte Spätwerk nach 1900 konzentriert und dabei interessante Entdeckungen gemacht. Fotografie und Film, die „neuen“ Medien des anbrechenden 20. Jahrhunderts, spielen darin die zentralen Rollen. Eindrucksvoll zeigt die Ausstellung, wie Munch mit seiner Malerei auf die Bildformen der illustrierten Magazine und des Kinos reagiert.

Kühne Schrägen

Es ist die Zeit, in der die Presse forciert nach dynamischen Fotos fragt und Straßenfotografen Passanten dabei aufnehmen, wie sie einen Fuß vor den anderen setzen. Im Kino machen Aufnahmen Furore, in der außer Kontrolle geratene Pferdegespanne haarscharf an unschuldigen Fußgängern vorbeirasen. Das beeindruckt sogar den an Hochgeschwindigkeit gewöhnten Betrachter von heute. Gebannt lassen die Ausstellungsbesucher ihre Augen von den auf kleinen Monitoren laufenden Filmausschnitten zu den benachbarten Gemälden wandern.

Die Ausstellungsbesucher entdecken Bilder, auf denen Alleen und Straßen in kühnen Schrägen die Bildfläche unterteilen und der Eindruck räumlicher Tiefe durch hart am Bildrand platzierte Gesichter verstärkt wird. Furios ist eine 1910 bis 1912 entstandene Schneelandschaft mit einem Gaul im Zentrum, der in wilder Bewegung auf den Betrachter zugaloppiert. Alles um ihn herum scheint in kleinen Stücken auseinander zu fliegen, Steine, Landschaft, Häuser; sogar die Zuschauer werden an den Bildrand gedrängt.

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Fotografien als "Arbeitsmaterial"

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