Klassische Moderne
Maler schimmernder Seide

Pierre-Auguste Renoir machte seiner Abstammung aus einer Familie von Schneidern alle Ehren. Er liebte elegant angezogene Frauen. Die Kunstsammlungen Chemnitz erinnern an einen großen Impressionisten und die Tradition der Luxus-Stoffe, die einst als Exportgut ihren Weg in die ostdeutsche Stadt fanden.
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DüsseldorfSuzanne Bernheim des Villers trägt einen Hauch von Kleid, so zart, dass unter ihm das eng anliegende Unterkleid durchschimmert. Was den Maler Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) jedoch völlig in Bann geschlagen haben muss, war der optische Effekt der lebhaft blau gemusterten Seidengaze, die der jungen Frau wie ein sanfter Duft auf den Leib geschneidert schien. Dafür musste er als Sohn eines Schneiders einfach Augen haben.

Nicht nur in der Familie Renoir drehte sich alles um Stoffe und Mode. Für ganz Frankreich war die Mode ein Schlüsselthema. Mode und Textilindustrie zählten gleichsam zur Kernkompetenz der französischen Wirtschaft seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Was die ostdeutsche Stadt Chemnitz mit dieser Geschichte zu tun hat, beleuchtet zurzeit eine Doppelausstellung der besonderen Art. Sie kombiniert Renoirs sinnliche Malerei zum ersten Mal mit den zeitgleich entworfenen, nach Chemnitz exportierten französischen Luxus-Stoffen.

Seiden und Samte in Chemnitz

Wenige dürften wissen, dass die Kunstsammlungen Chemnitz mit dem Museum Gunzenhauser nicht nur ein Schaufenster für die Klassische Moderne sind. Sie besitzen außerdem eine der bedeutendsten Textilsammlungen Europas mit einem Schwerpunkt auf der Zeit um 1900. Das für Deutschland umfangreichste Konvolut französischer Seiden und Samte aus Lyon und Paris ist hier zuhause. Ein Schatz, dem jetzt zum ersten Mal eine eigene Ausstellung gewidmet wird.

Im Prinzip ist Renoirs Malerei eine einzige Liebeserklärung an die Kunst der Mode und an die Frau. Er liebe schöne Stoffe, besonders schimmernde Seide und glatten Satin, deren Glanz je nach Lichteinfall changiere, und die sich einzigartig dem Spiel des Körpers anschmiegten, aber er male ebenso gern Baumwollzeug für zwei Sous den Meter, soll er seinem Sohn Jean Renoir erzählt haben. Als sein Vater 1910 das Bildnis von Monsieur und Madame Bernheim Villers malte, hatte der auch ein Auge für das viel weniger spektakuläre Erscheinungsbild des Mannes im grauen Anzug, der entspannt und zufrieden zurückgelehnt die Folie für die strahlende Erscheinung seiner schönen jungen Frau abgibt.

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