Klassische Moderne
Stärken und Schwächen des Marktes

In New York gab es bei den Auktionen mit Kunst der Impressionisten und der Moderne Rekordzuschläge und Enttäuschungen. Bei Christie's blieb so viel liegen wie seit 2008 nicht mehr.

New YorkSieben zähe Minuten lang hielt Sotheby's Top-Auktionator Tobias Meyer eine Hand voll internationaler Bieter, darunter auch einen aus China, bei der Versteigerung von Gustav Klimts Landschaft "Litzlberg am Attersee" in Atem. Das 1914/15 gemalte Bild war erst im Juli aus dem Museum der Moderne, Salzburg, restituiert worden. In die Stille der langen Bedenkpausen zwischen den Millionenschritten lärmten Trommeln und ohrenbetäubendes Pfeifen der protestierenden Transportarbeitergewerkschaft unten auf der Straße. Sotheby's hatte sie vor Wochen ausgesperrt, jetzt finden sie unerwartete Hilfe bei der "Occupy Wall Street"-Gruppe.

Oben im sechsten Stock verengte sich unterdessen im riesigen Saal vor etwa 900 dicht an dicht sitzenden Kunstfreunden das Bieterfeld auf zwei Telefone. Der Züricher Privathändler David Lachenmann gewann schließlich das mosaikartig aus grünen Flecken komponierte Bild in perfektem Zustand für seinen Kunden am Handy bei 40,4 Millionen Dollar.

"Wir hatten dem Erben schon im Sommer ein Angebot gemacht, das war ihm zu niedrig. Nun haben wir sogar weniger bezahlt", freute sich Lachenmann. Sotheby's Ergebnis zielte am 2. November mitten in die Erwartung von 25 Millionen Dollar oder mehr. Da machte sich fröhliche Erleichterung breit.

Man habe eine ganze Menge Einlieferungen zurückgewiesen, bei denen entweder die Qualität nicht stimmte oder die Erwartungen zu hoch waren, erklärte David Norman, Leiter der Moderne-Abteilung. Das war ein Seitenhieb auf den Konkurrenten Christie's, der am Vorabend das schwächste Ergebnis seit dem Markteinbruch im November 2008 eingefahren hatte. Mehr als ein Drittel der angebotenen Lose waren durchgefallen.

Christie's teuerster Verlust war die berühmte Bronzeskulptur "Petite danseuse de quatorze ans" von Edgar Degas, für die allein 25 bis 35 Millionen Dollar kalkuliert waren. Auch Alberto Giacomettis magere Bronze "Femme de Venise VII" mit wichtiger Provenienz der Matisse-Familie interessierte nicht. Sie war schon monatelang zu etwa 17 Millionen Dollar auf dem Markt gewesen. "Wir dachten, wir kappen die Taxe auf zehn bis 15 Millionen Dollar, dann wird es schon klappen", sagte ein Experte bei Christie's.

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