Klaus Biesenbach
Beschleunigtes Leben

Sein Medizinstudium war Klaus Biesenbach nicht genug. Er wechselte in die Berliner Kunstszene, wo er aus einer alten Margarinefabrik die Kunst-Werke machte, mittlerweile eine der wichtigsten Institutionen für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Heute lebt und arbeitet Biesenbach auf noch größerem Fuß.

Für Berlin war er zu schnell. Er fühlte sich "zu beschleunigt", sagt Klaus Biesenbach. Es ist das Berlin zu Zeiten der Wende, das er meint. Das Berlin, das Platz und Zeit bot und unerwartet und weit geöffnet war für Menschen wie ihn: rastlose, junge, ideenreiche, voller Tatendrang. Das Berlin, das Menschen wie ihn geprägt hat und zugleich von Menschen wie ihm geformt wurde.

Längst nicht alle, die in die wiedervereinte Stadt kamen, um den bedeutenden Abschnitt deutscher Geschichte mitzuerleben, haben so tiefe Spuren hinterlassen wie Biesenbach: Am morgigen Samstag öffnet die Berlin Biennale für Zeitgenössische Kunst mit dem Titel "When things cast no shadow" das fünfte Mal ihre Türen - ein Kunstfestival, das die Hauptstadt Biesenbach zu verdanken hat. Er, Gründungsdirektor des KW Institute for Contemporary Art, hatte vor zwölf Jahren gemeinsam mit Sammlerinnen und Kunstfreunden die Initiative ergriffen und den Verein "Berlin Biennale für Zeitgenössische Kunst e.v." gegründet - und zwei Jahre später das erste Kunstfestival eröffnet. "Die Präsenz zeitgenössischer Kunst in Berlin fördern - das war unser Ziel", sagt Biesenbach rückblickend. Wie erfolgreich ihm das gelungen ist, zeigen die Besucherzahlen der ersten Biennale: Mehr als 80 000 zog sie an.

Mittlerweile ist Biesenbach andere Größenordnungen gewohnt - und hat einen Platz gefunden, der seiner Geschwindigkeit entspricht: New York. Dort sei sein Tempo "normal", sagt Biesenbach. Im Museum of Modern Art (MoMA) leitet er seit Oktober 2006 das "Department of Media". Wie groß der Erfolg des Deutschen in der weltweit wohl umtriebigsten und bedeutendsten Kunstmetropole ist, lässt sich auch daran ablesen, dass die Abteilung erst für ihn geschaffen wurde. Um alles, was nicht den klassischen Sparten und damit den übrigen sechs Abteilungen des MoMA - Architektur & Design, Zeichnung, Film, Malerei & Skulptur, Fotografie, Drucke & Illustrierte Bücher - zugeordnet werden kann, kümmert er sich: Videos, Performances, Projektionen.

Schon Jahre vorher war der Deutsche oft in New York, pendelte zunächst zwischen Berlin und der amerikanischen Metropole und arbeitete als leitender Kurator des P.S.1 Contemporary Art Center, später als Kurator am MoMA. Im Januar 2000 hatte das Museum das freie Kunstzentrum P.S.1 in Queens an sich gebunden - und damit das Haus, in dem Biesenbach bereits seit 1996 wirkte. So öffneten sich für Biesenbach die Türen der weltweit bekannten Adresse in Übersee. Und Berlin? Die Stadt verliere "seinen umtriebigsten, schillerndsten Kunstorganisator, der 1990 aus dem Nichts kam...", hatte die Lokalpresse in der deutschen Hauptstadt bei Biesenbachs Wegzug geschrieben.

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