Klaus Schwabe
Anspruch auf Weltordnung

Von allen amerikanischen Präsidenten dürfte George Walker Bush in der Alten Welt wohl der unpopulärste sein - historisch betrachtet. Seine aggressive Rhetorik, sein praktizierter Unilateralismus als Chef der einzigen Weltmacht, sein als lax empfundener Umgang mit dem Völkerrecht und seine Attitüde als CEO einer Hegemonialmacht - all dies hat sich der Weltöffentlichkeit als Klischee, gar als "Markenzeichen" des Herrschers im Weißen Haus eingeprägt.

KÖLN. Dabei steht Bush jr. mit einigen Grundzügen seiner Außenpolitik durchaus in klassischen Traditionen der amerikanischen Außenpolitik; mit anderen Traditionen hat er allerdings gebrochen.

Klaus Schwabe, einer der besten Kenner der amerikanischen Außenpolitik, hat nun mit seinem Buch "Weltmacht und Weltordnung" eine fundierte Jahrhundertgeschichte der US-Außenpolitik vorgelegt.

Der Professor (emeritus) für Neuere Geschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen beschreibt eindrucksvoll den Aufstieg Amerikas, von der "New Nation" Ende des 19. Jahrhunderts zur (derzeit) unangefochtenen Weltmacht. Dieser Weg wurde und wird bis heute von wirkungsmächtigen Traditionslinien bestimmt. Sie gehen bis in die Kolonialzeit Amerikas zurück.

Fünf Traditionen, die sich zum Teil sogar widersprechen, arbeitet Schwabe heraus. Er entwickelt daraus einen "Traditionen-Set", den er als Analyseinstrument zur Beurteilung von mehr als einhundert Jahren amerikanischer Außenpolitik einsetzt. Diese, so das Urteil des renommierten Historikers, glich einem Zickzack-Kurs. Die Ausrichtung war abhängig vom Weltbild, dem sich der jeweilige Präsident verpflichtet fühlte.

Neben den historischen Traditionen arbeitet Schwabe auch den institutionellen Rahmen heraus: Amerikanische Präsidenten müssen ihre Außenpolitik viel stärker mit der Innenpolitik harmonisieren. Sie ist viel "demokratischer" legitimiert als etwa die der Alten Welt.

Von der Monroe-Doktrin, die lange die isolationistisch-hegemoniale Außenpolitik der USA bestimmte, über die neue Imperialmacht im spanisch-amerikanischen Krieg bis zum Aufstieg der Vereinigten Staaten zur Weltmacht im Zweiten Weltkrieg - Klaus Schwabe entfaltet ein facettenreiches Bild der US-Außenpolitik.

Es ist die Geopolitik einer Nation, die gleichermaßen auf den europäischen und den asiatischen Kontinent blickt. So schreibt Klaus Schwabe zugleich eine Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Nüchtern und distanziert analysiert der Wissenschaftler den Anspruch der Vereinigten Staaten, die Weltordnung zu bestimmen.

Nebenbei räumt der Autor noch mit mancher Legende und Verschwörungstheorie auf. In der Beurteilung des jetzigen Präsidenten, eines evangelikalen Fundamentalisten, der durch ein Erweckungserlebnis in die Politik geraten ist, hält sich Schwabe allerdings zurück.

Vielmehr warnt der Autor vor der wachsenden Lücke zwischen dem Freiheitspathos und dem Defizit an Glaubwürdigkeit, das entsteht, wenn die Weltmacht USA nicht bereit ist, sich der von ihr aufgebauten Friedensordnung selbst unterzuordnen. Ein lesenswertes Buch.

KLAUS SCHWABE:
Weltmacht und Weltordnung - Amerikanische Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart.
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2006,
560 Seiten, 44,90 Euro

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