Klimawandel und Gewalt
1 Milliarde Menschen wird auf der Flucht sein

Die Videoinstallation „Exit“ präsentiert schockierende Zahlen über die Migration von Menschenmassen und ihre Ursachen. Auftraggeber ist die Fondation Cartier in Paris, Aufführungsort der Palais de Tokyo.

ParisDer Weltklimagipfel (COP21) soll in Paris die Begrenzung des Klimawandels in den Teilnehmerstaaten vertraglich festlegen. Aus diesem Anlass präsentiert das auf zeitgenössische Kunst spezialisierte Museum Palais de Tokyo die ergreifende, das Bewusstsein aufrüttelnde Videoinstallation „Exit“. Das auf einem 360 Grad-Bildschirm präsentierte Werk gehört der Fondation Cartier pour l'art contemporain (Cartier Stiftung für zeitgenössische Kunst), wo seine ursprüngliche (kürzlich aktualisierte) Version im Jahre 2008 bereits Schockwirkung hatte.

„Exit“ beschreibt anhand von ästhetisch gelungenen und pädagogisch genial umgesetzten Statistiken die Wanderungen von Bevölkerungsmasssen, die der Klimawandel, Kriege und das daraus resultierende Elend auslösen. Den Auftrag erteilte die Cartier-Stiftung für zeitgenössische Kunst. Paul Virilio, Philosoph und Urbanist, sollte 2008 gemeinsam mit dem Filmemacher Raymond Depardon darüber nachzudenken, welche Ursachen die aktuelle, größte Völkerwanderung aller Zeiten hat. So entstand das Werk aus dem Dialog eines Denkers und eines ethnologisch vorgehenden Filmemachers.

Großstädte, die im Meer versinken

Der 1932 geborene Virilio ist ein Voraus-Denker, der stets in Bewegung bleibt. In einem im Palais de Tokyo projizierten kurzen Film marschiert er auf die Kamera zu und erklärt mit einfachen Sätzen erschreckende Zahlen. Innerhalb der nächsten 50 Jahre müsse eine Milliarde Menschen ihren Geburtsort verlassen – aufgrund des Klimawandels, weil Inseln und Großstädte im Meer versinken, aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen wie etwa dem Wohlstandsgefälle zwischen wohlhabenden Nationen und Entwicklungsländern.

Mit der Videoinstallation „Exit“ setzen US-Künstler, Architekten, Urbanisten, Forscher (wie Diller Scofidio + Renfro, Mark Hansen, Laura Kurgan und Ben Rubin) die Zahlen und Statistiken in bewegte, bunte, einfach rezipierbare Bilder um. In raschem Ablauf behandelt das sechsteilige Werk die Gründe für die Verschiebung von Bevölkerungsschichten und spricht kurz, aber schlüssig, deren soziale, soziologische, ethnologische Bedeutung und die ökonomischen Konsequenzen an. Dazu gehören auch die nur von wenigen Einwohnern gesprochenen Sprachen, die verschwinden wie ihre Geburtsorte (etwa die abgeholzten oder verbrannten Tropenwälder). Von 6.700 noch praktizierten Sprachen sind 2.700 bedroht. 230 sind seit dem Jahr 1950 verschwunden.

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