Koch bleibt bei den Fernsehangeboten
Den Helden spielen

Sebastian Koch ist so etwas wie das deutsche Gesicht im Fernsehen. Auch wenn ihm das nicht gefällt. Am kommenden Dienstag brilliert der Schauspieler als Hitler-Attentäter in „Stauffenberg“.

Sebastian Koch ist jemand, mit dem man gern eine Verabredung hat. Der Schauspieler sitzt in seinem Lieblingscafé, seine Haut ist leicht gebräunt, er kommt gerade aus Sri Lanka, trägt eine alte Cordjacke, alte Jeans, alte Camper. Vor ihm die Zeitung, Milchkaffee und Käsekuchen. Der Mann hat Zeit und Lust zu reden. Koch liebt seine Arbeit, aber er liebt auch Pausen. Beides merkt man. Insofern ist ihm diese Hektik jetzt auch gar nicht recht.

„Stauffenberg“, der Fernsehfilm, in dem er die Titelrolle spielt, wird am 25. Februar gezeigt – und damit viel früher als geplant. Als „Nazi- Olympiade“ bezeichnet Filmemacher Heinrich Breloer das Wetteifern der Öffentlich-Rechtlichen um den ersten Platz beim Erinnern an das Attentat des 20. Juli 1944. „Es geht nicht um die Sache, es geht um die Quote, das ist ärgerlich und unnötig“, sagt Sebastian Koch.

Mit Breloer dreht der 41-Jährige gerade „Speer und er“. Er spielt den Speer. Und so kommt man in die merkwürdige Situation, diese beiden völlig unterschiedlichen Männer, Weggefährten Hitlers, miteinander zu vergleichen – aus Sicht eines Schauspielers, der innerhalb weniger Monate Feind und Freund verkörpern muss. „Speer ist für mich viel leichter zu spielen, ein sehr freundlicher, angenehmer Mann.“ Und Stauffenberg? Der Attentäter, der noch am Abend des 20. Juli erschossen wird, war ein Held. Hatte ungeheures Charisma. Offizier und Adliger. Sehr elitär. Keiner zum Verbrüdern, eher einer zum Bewundern. Auch für Koch?

„Das war meine bisher schwerste Rolle. Einen Helden zu spielen ist eine besondere Aufgabe. Man muss den Mythos, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, Stück für Stück wieder abtragen. Ich musste den Menschen dahinter finden, sonst kann ich den Helden nicht glaubwürdig darstellen. Wo ist die Wärme, das Gefühl? Stauffenberg fühlte sich schon im Kindesalter als Held, in diesem Bewusstsein ist er aufgewachsen. Ich musste seine Haltung verstehen, weil ich sie selbst in dieser Form nicht habe. Da hat mir die Uniform sehr geholfen.“

Koch hat sich sorgfältig in die Geschichte eingelesen. Er gesteht, vorher nicht viel über sie gewusst zu haben. Außer, dass Stauffenberg eine Augenklappe hatte und mit seinem Attentat an Banalitäten scheiterte. Wer aber war nun „der Mensch dahinter“? Koch besuchte die Familie von Claus Graf von Stauffenberg in ihrem Schloss im Süddeutschen.

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