Koller Auktionen
Händler füllen ihre Lager auf

Wer auf der Tefaf in Maastricht gut verkauft hat, kann sich in Zürich wieder eindecken. Das Zürcher Auktionshaus Koller lockt erfolgreich mit tiefen Taxen. Kostbares Porzellan, romantische Malerei aus der Zarenzeit und ein Schiffspokal wechseln die Besitzer.
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ZürichTiefe Taxen und ein gutes Timing verhalfen den Frühjahrsauktionen im Hause Koller zu einem soliden Erfolg. Zum Aufruf kamen vom 24. bis 29. März 2014 Alte Kunst und Antiquitäten. Unmittelbar anschließend an die Maastrichter Tefaf bot das Zürcher Haus all jenen Händlern, die dort ihre Lager leer verkauft hatten, attraktive Kaufgelegenheiten für ihren Nachschub, der sich durch den künstlich verbilligten Schweizer Franken noch zusätzlich vergünstigte.

Einmal mehr zeigt sich, dass professionelle Händler den Verlockungen tiefer Taxen ebenso wenig widerstehen können wie private Sammler. Das inzwischen von Koller als eine Arbeit von Jan Gossaert identifizierte Kleinformat „Maria mit Kind“ (um 1530) blieb mit seinem Verkaufspreis von 2,37 Millionen SFr. jedoch lediglich gut innerhalb seines Schätzpreisrahmens. Damit erweist es sich angesichts der selten auf den Markt kommenden Arbeiten dieses Malers tatsächlich als preiswerter Kauf eines anonymen Telefonbieters.

Aus der Sammlung von Wolfgang Joop 

Doch schon das zweitplatzierte Hauptlos dieses Angebotes, Gerrit Dous „Einsiedler im Gebet“ aus der Zeit um 1670 erzielte mit 1,05 Millionen Franken glatt das Doppelte seiner oberen Schätzung. Einen interessanten Einblick in die Wertbeständigkeit guter Altmeistermalerei lieferten sodann die beiden zusammen ausgerufenen Altarflügel der „Verkündigung Mariens mit den Heiligen Bartholomäus und Petrus“. Die um 1490 vom Meister der Heiligen Sippe bei Köln geschaffenen Tafeln sind Nachzügler aus der mehrheitlich schon letztes Jahr versteigerten Sammlung von Modeschöpfer Wolfgang Joop. Dieser nämlich dürfte für die beiden großen und außergewöhnlich dekorativen Tafeln im Januar 2001 bei Sotheby’s in New York im Nachverkauf höchstens 300.000 Dollar bezahlt haben. Nun erhält er etwa den Gegenwert von 520.000 Dollar dafür ausbezahlt, was – in Dollar gerechnet – immerhin einer jährlichen nominellen Wertsteigerung von soliden 4,3 Prozent p.a. entspricht.

Kunst aus der Zarenzeit

Gute Nachfrage verzeichnete Koller auch im Bereich der Russischen Malerei des 19. Jahrhunderts, insbesondere für Versatzstücke aus der „heilen“ Zarenwelt. So erzielten zwei je auf 60.000 bis 80.000 SFr. angesetzte romantisch verschneite Winterlandschaften von Iwan Fedorowic Choultse insgesamt 306.000 SFr. Die eine davon stammt aus dem heute ja ebenfalls wieder von russischer Prominenz besuchten Engadiner Luxusresort St. Moritz.

Ein Schiffspokal hebt ab

Erneut bestätigte sich auch im Bereich des alten Kunstgewerbes und der Antiquitäten die alte Regel, dass wirklich ausgefallene und zugleich kunsthandwerklich virtuose Raritäten nach wie vor hohe Preise erzielen. Die von Antide Janvier zu Paris gebaute Empire-Kaminpendule mit dekorativem Planetariumaufsatz konnte beispielsweise problemlos gut innerhalb ihrer Schätzung für 240.000 Franken abgesetzt werden. Sie entstand um 1810 bis 1820 nach einem Patent des Belgiers Zacharias Joseph Raingo. Ein bemerkenswert schön und vollständig erhaltenes Reisekaffeeservice aus Meissenporzellan verdoppelte mit 114 000 SFr. seine allerdings betont vorsichtige Taxe von 30 000 bis 50 000 Franken. Das Set mit dem Wappen der Venezianischen Patrizierfamilie Correr in seiner originalen Lederschatulle wird in die Zeit um 1740 datiert.

Eine kleine Sensation waren schließlich jene 444.000 Franken, die ein anonymer Bieter für einen silbervergoldeten Schiffspokal des Augsburger Meisters Heinrich Winterstein. Das um 1600 bis 1610 entstandene Stück war vorsichtig, aber realistisch auf 95.000 bis 120.000 SFr. geschätzt worden.

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