Konkursmasse: Bietgefecht um das Firmenschild von Lehman Brothers

Konkursmasse
Bietgefecht um das Firmenschild von Lehman Brothers

Christie's kratzte aus der Konkursmasse der Lehman Bank am 29. September in London 1,6 Mio. Pfund heraus. Fast ein Nichts gegenüber den Gläubigerforderungen von 260 Mrd. Dollar. Erstaunlich viel dafür, dass es sich um kunsthistorisch nicht gerade hochbedeutende Büroausstattung handelt.
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LONDON. In Kunstmarktbegriffen waren es Peanuts und Schnickschnack. Aber wenn sich alle Vermögenswerte von Lehman Brothers so gut gehalten hätten, wie die "Kunst und Ephemera", die Christie's am 29. September in South Kensington aus der Konkursmasse der kollabierten Bank versteigerte, stünde die Welt heute wirtschaftlich besser da.1200 Bieter hatten sich für die Versteigerung registriert - ein Rekord - die meisten dürften Banker und ehemalige Lehman-Mitarbeiter gewesen sein, die nun in ihrer Begier, ein Stück Lehman Geschichte zu erhaschen, das Risiko, nichts zu erhalten, wieder einmal höher einschätzten als das, zu viel zu bezahlen.

Das galt vor allem für alles, was den Lehmans Namenszug trug. Der anonyme Telefonbieter, der als erstes Los das Messingtäfelchen ersteigerte, das an die Eröffnung des neuen Lehman Headquarters in den Docklands durch den damaligen Schatzkanzler Gordon Brown im Jahr 2004 erinnerte, erhielt für seine 28.750 Pfund gleich auch noch eine Kopie des "Lehman Mission Statement", in dem auch von der Verpflichtung die Rede ist "Risiko effektiv zu kontrollieren und unsere finanzielle Stärke immer zu erhalten". Geschätzt war das Los auf 1000 bis 1.500 Pfund. Das drei Meter lange Schild, das über der Pforte hing, brachte es auch ohne Mission Statement auf 42.050 Pfund (Schätzung bis 3.000 Pfund).

Als Vorstände Romane lasen

Die kuriose Mischung aus alter "Boardroom Kunst" aus dem 19. Jahrhundert und zeitgenössischer Bürodekoration verdoppelte mit 1,6 Mio. Pfund die untere Gesamtschätzung. Nie hatte Christie's so viele Online-Bieter. Nur zwei Lose blieben unverkauft. Dabei zeigte sich überraschend der doch eher traditionelle Geschmack der Käuferschar: Während Bronzelöwen, Schiffsmodelle und alte Aquarelle, sogar die Gesamtausgaben der alten Romane von Sir Walter Scott und Thomas Hardy aus einer Zeit, als man in den Vorstandszimmern noch Romane lesen durfte, die Schätzungen in der Regel übertrafen, wurde vieles von der moderne Auflagenkunst im Rahmen der Erwartungen oder darunter verkauft. Das Toplos, eine Computermontage von Gabriel Orozco, lag mit 99.650 Pfund etwas über Schätzung, aber schon Gary Humes "Madonna", das zweitteuerste Los, blieb mit 73.250 hinter der Erwartung.


www.christies.com

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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