Konrad Bernheimer
„Die Tefaf ist einfach ohne Konkurrenz“

Die Eröffnung der Tefaf in Maastricht steht kurz bevor. Zum ersten Mal bekommt die Königin der Antiquitätenmessen jedoch Konkurrenz – durch eine Terminüberschneidung mit der Art Basel Hongkong. Mitorganisator und Kunsthändler Konrad Bernheimer erklärt im Interview mit Stefan Kobel, warum das der renommierten Verkaufsveranstaltung nichts anhaben kann.
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MaastrichtHerr Bernheimer, die Art Basel Hongkong findet dieses Jahr zum ersten Mal parallel zur Tefaf statt. Wie gehen Sie mit der Konkurrenz um?

Konrad Bernheimer: Am Anfang waren wir “not amused”, als wir von dem Termin gehört haben. Die Art Basel sagt, sie hätte nur dieses Zeitfenster bekommen. Wir dachten, dass wir vielleicht den einen oder anderen Kollegen verlieren. Am Ende war es aber überhaupt nicht so. Wir haben nicht einen Aussteller verloren. Es gibt allerdings ein paar, die machen beides. Es gilt ja auch zu bedenken: Wenn einer seinen Stand hier aufgibt, bleibt der nicht unvergeben. Dann kann man nicht garantieren, dass er denselben Stand wieder bekommt.

Ist Hongkong also keine Konkurrenz?

Es gibt ja nun wirklich genug Messen für zeitgenössische Kunst, aber es gibt eben keine Messe wie die Tefaf, auf der man alle Epochen erleben kann. Und es gibt ja tatsächlich diese „Cross Buyers“, die neben modernen Stücken auch Alte Kunst oder Antiquitäten kaufen. Das kann eine zeitgenössische Messe eben nicht bieten.

Seit Jahren versucht die Tefaf, die chinesischen Sammler an sich zu binden. Die Initiative für eine Messe in China hat sich im letzten Jahr zerschlagen. Wie wollen Sie jetzt die chinesischen Sammler an die Tefaf binden?

Dass wir uns nach allen Käufergruppen umsehen, ist ja klar. Wir werben um Chinesen genau so wie um Japaner, Russen, Südamerikaner. Bei unserem Versuch in Peking war es so, dass Sotheby's an uns herangetreten ist. Wir haben uns das angesehen und dann beschlossen, dass wir das nicht machen. Den einen war es zu teuer, und es gab auch welche, denen die Kooperation mit einem Auktionshaus nicht recht war. Aber so kommt aus vielen Dingen, die man angeht, oft unerwartet etwas Gutes heraus. Patrick van Maris war seinerzeit geschäftsführender Direktor von Sotheby's Europe, mit denen wir verhandelt hatten. Jetzt wird er der nächste CEO der Tefaf.

Wie wollen Sie chinesische Sammler nach Maastricht holen?

Die beste Strategie ist, immer weiter die beste Messe der Welt aufzustellen. Diese Kunde macht ja die Runde, auch im Fernen Osten. Und wir stehen ja nicht still. Wir versuchen, uns jedes Jahr neu zu erfinden. Was uns jetzt vielleicht zusätzlich hilft, ist, dass der Euro im Verhältnis zum Dollar so abgesackt ist. Wer sein Geld in Dollar angelegt hat, für den hat sich alles zwischen 20 und 30 Prozent verbilligt. Das könnte eher helfen, als dass es schadet.

Die ältere Kunst ist bei der Preisentwicklung der letzten Jahre von den Zeitgenossen abgehängt worden. Ist das für die Tefaf Anlass, sich mehr in Richtung Gegenwart zu orientieren?

Auf dem Modern Contemporary-Markt herrscht ein völliger Hype. Aber die wenigen Alten Meister, die auf den Markt kommen, ziehen heftig nach, weil es offensichtlich ist, dass die Schere völlig sinnlos auseinanderklafft. Und natürlich kann man sich fragen, warum ein Koons soviel mehr wert sein soll als ein Cranach. Aber es ist ja andererseits nicht das Schlechteste, was Koons da macht: Er kauft mit seinem vielen Geld Alte Kunst – wie übrigens viele andere erfolgreiche, zeitgenösssiche Künstler – und gibt sie dann als Leihgabe ins Metropolitan Museum von New York.

Die Tefaf will das Zeitgenossen-Segment also nicht erweitern?

Im Moment haben wir keine Ausweitung dieses Bereichs vor. Wir beobachten jedoch jetzt schon, dass der eine oder andere Altmeisterhändler das eine oder andere modernere Stück hinzunimmt. Ausschließen will ich das für mich auch nicht. Ich habe schließlich zwei Töchter, die im 20. und 21. Jahrhundert unterwegs sind. Aber dafür müssten wir vielleicht die Regeln noch etwas ändern. Die Messe ist ja auch mit 250 Ausstellern sehr groß. Da hat sich die Aufteilung in Viertel (Alte Meister, Angewandte Kunst, Moderne und Design) sehr bewährt.

Sie sehen die Tefaf also nicht in Konkurrenz zu anderen Messen?

Es gibt ja nun wirklich genug Messen für Zeitgenössische Kunst, aber keine, die auf diesem Niveau die gesamte Kunstgeschichte abbildet. Sie können alle anderen Messen irgendwie miteinander vergleichen, aber die Tefaf ist einfach ohne Konkurrenz.

"Tefaf Maastricht, The European Fine Art Fair 2014", 13. bis 22. März 2015, MEEC (Maastricht Exhibition and Congress Centre), täglich von 11 bis 19 Uhr, So. 22. März bis 18 Uhr

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