Konzert der Zukunft?
Chili Peppers rocken in 360 Grad

Zwei Monate vor der offiziellen Deutschlandtour spielen die Red Hot Chili Peppers eine Show in Berlin, die per 360-Grad-Kameras im Netz gestreamt wird. Aber kommt ihre Energie auch im heimischen Wohnzimmer noch rüber?

BerlinAls letzte Zugabe des Abends spielen die Red Hot Chili Peppers ihre ersten großen Hit „Give It Away“ aus dem Jahr 1991. Nach mehr als eineinhalb Stunden energiegeladener Show ist die Stimmung in dem stillgelegten Berliner Heizkraftwerk auf dem Höhepunkt. Während Sänger Anthony Kiedis über die Bühne springt, tobt das verschwitzte Publikum in den ersten Reihen. Als der Song erschien, waren Handys kaum verbreitet und das Internet nur etwas für Experten. Damals hätte man sich wohl kaum vorstellen können, was 25 Jahre später alles möglich sein kann.

Denn die exklusive Show bot eine technische Besonderheit - nicht für die 1300 Zuschauer in der Halle, sondern vor allem für diejenigen, die kein Ticket ergattert hatten. Denn: Mit Hilfe von 360-Grad-Kameras, die etwa auf der Bühne installiert wurden, wurde das Spektakel live im Internet gestreamt. In 40 Ländern konnten Fans von zu Hause oder unterwegs das Konzert über ihr Smartphone mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen aus besonderer Nähe und mit einem Rundum-Blick anschauen. Aber funktioniert das tatsächlich?

Ortswechsel: Ein Wohnzimmer wenige Kilometer entfernt. Per VR-Brille wird das Konzert verfolgt. Allerdings davon, mittendrin zu sein, ist man bei dem Erlebnis noch weit entfernt. Das Bild auf dem Handy im Brillen-Gehäuse ist grobkörnig, die Farben vom Scheinwerferlicht gebleicht, und vor allem der Sound in den Kopfhörern ist höflich zurückhaltend wie bei einer Radioübertragung statt der Wucht eines Live-Konzerts. Und doch zieht der 360-Grad-Livestream einen schnell in seinen Bann mit einer gewissen Magie.

Denn man steht auf der Bühne direkt neben den Musikern. Dreht man den Kopf, sieht man in die mitwippenden Fans. Dann fliegt man auf einmal los und gleitet über den Köpfen des Publikums. Man muss die ganze Zeit denken, wie cool wird das bitte, wenn die Technik erst einmal ausgereift ist. Und alle Internet-Leitungen haben, die auch 3D-Bilder mühelos durch. Doch schon jetzt hat man zumindest ein wenig das Gefühl, dabei zu sein.

Veranstaltet wurde das Konzert von der Telekom, die sich innovativ zeigen und im VR-Bereich positionieren will. In zahlreichen Ländern wurden Tickets für das Spektakel verlost. Kathlyn ist extra aus Südafrika angereist: „Eine unglaubliches Konzert“, sagt die 21-Jährige. Yasuaki, ein eingefleischter Chili-Peppers-Fan aus Japan, ist für einen Tag aus Tokio eingeflogen, um seine Stars zu erleben. Und Andrea aus Rom, großer Bewunderer von Bassist Flea hat vor Rührung Tränen in den Augen, als er diesen auf der Bühne beobachtet.

Denn auch wenn die Akustik an manchen Ecken der gigantischen Kraftwerkshalle zu wünschen übrig lässt, sorgen die Chili Peppers noch immer für eine gute Show - und das auch 33 Jahre nach ihrer Gründung. Los geht es mit dem Kracher „Can't Stop“ aus dem Jahr 2002. In den kommenden 90 Minuten folgen alte Hits wie „By The Way“, und „Californication“ oder neue Songs wie „The Getaway“ oder Dark Necessities“.

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