Krawatten aus Seide
Bunter Spinner

Schweizer Banker kaufen ihre Krawatten im Rotlichtviertel: Dort hat Seidenfabrikant André Stutz sein Domizil. Zusammen mit seinen beiden Schwestern machte er sich vor rund 30 Jahren selbstständig und gründete die Firma Fabric-Frontline. Beim Rohstoff setzt das Trio auf erste Qualität aus China.

Zürich, Ankerstraße 118 – die Gegend zählt nicht zu den ersten Adressen der Schweizer Finanzmetropole. Und dann diese großen Gartenzwerge auf dem Areal. Die sollen wieder in sein, wirken aber doch irgendwie spießig. Von Anschrift und Zwergen sollte man sich aber nicht in die Irre führen lassen. Wer hinter den Mauern kleinbürgerlichen Mief erwartet, ist schief gewickelt. Denn hier residiert die Design-Werkstatt Fabric Frontline und kreiert edelste Seide in Uni und bedruckt.

In den Geschäftsräumen liegen seidene Stoffballen aus, schimmern in Farben von zartem Safrangelb über luftiges Himmelblau bis zu kraftvollem Krapplackrot, Tiefseeblau und Wiesengrün. Einkäufer der Couturiers wie Chanel, Dior und Vivienne Westwood lassen dort ihre Hände über den Stoff gleiten und ordern ballenweise Material, um daraus üppige Abendroben zu nähen.

Fabric Frontline bietet nicht nur diese verlockenden seidenen Stoffballen feil. In den Regalen daneben steht ein Kissen neben dem anderen, Foulards mit großflächigen Blumendekors liegen dort, Schals mit symmetrischen Linien. Dann kommt eine ganze Wand voller Krawatten, eine so ansehnlich wie die nächste, von dezent bis stark gemustert, ob Streifen, Tiere oder Steine. Jede ist Seide pur und Handarbeit wie alles bei Fabric Frontline. Und für Entscheider die reinste Qual bei der Auswahl. Für die hohe Güte ihrer Waren ist die Züricher Design-Werkstatt berühmt. „Das Haus bedient sich nur der besten Zulieferer und der besten Drucker. Die Qualität ist hervorragend“, sagt Wolfgang Moese von der Ascot Karl Moese GmbH, Krawattenmanufaktur in Krefeld seit anno 1908. Und das Künstlerduo Gilbert & George, die entweder nackt oder im Dreiteiler mit Binder auftreten, bedankten sich einst für die „amazing ties“ aus der Schweiz.

Genau das lässt Topdesigner für ihre verwöhnte Klientel nach Fabric-Frontline-Seide greifen. Aktuell verarbeitet Oliver Theyskens, Nina-Ricci-Modechef und Liebling der Szene, etliche Meter davon zu prächtigen Bühnenoutfits für den italienischen Opernstar Cecilia Bartoli.

Seit jeher gilt Seide als der edelste aller Webstoffe, schon seit ihrer Entdeckung im 3. Jahrtausend vor Christus in China. Früher durften sich nur Kaiser und Könige darin gewanden, heute kann sich jede und jeder in den Stoff werfen. Mit den Massen kam die Massenproduktion. Umso mehr stellt sich heute die Frage nach Premiumprodukt oder Billigware – nicht nur für Stars und Sternchen.

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