Krimi des Jahres
Die Mutter aller Drogenkriege

Ohne Übertreibung: „Tage der Toten“ ist der Kriminalroman des Jahres. Mindestens. Der Autor Don Winslow entführt den Leser in die facettenreiche, spannende und brutale Welt des mexikanischen Drogenkriegs. Und er ist nicht nur nah dran an der Realität, sondern mittendrin.
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DÜSSELDORF. Am Freitag ist in Mexiko-Stadt einer der wichtigsten Drogenbosse von der Polizei erschossen worden: Bei einem Großeinsatz gegen das Kartell „La Familia“ soll dessen Chef Nazario Moreno González getötet worden sein. Er war einer der brutalsten und gefährlichsten Kriminellen des Landes. Bei den vorausgegangenen Gefechten starben auch fünf Polizisten und drei Unbeteiligte, darunter ein achtmonatiges Baby.

Wer Don Winslows „Tage der Toten“ gelesen hat, macht sich keine großen Hoffnungen: Vermutlich wird die Maschinerie nur eine Viertelstunde anhalten. Dann gibt es ein neues Oberhaupt und die wenigen nicht korrumpierten Gesetzeshüter können von vorne beginnen. Winslow muss es wissen, schließlich war er vor seiner Zeit als Autor Geldschmuggler und Privatdetektiv.

Winslows Held heißt Art Keller. Der ehemalige Vietnam-Veteran beginnt in den 70er-Jahren, gegen die Drogenschmuggel von Mexiko in die USA anzugehen. Mit Hartnäckigkeit, Geschick und brutaler Entschlossenheit arbeitet sich Keller in der Hierarchie nach oben und baut seine Macht aus. Denn es braucht mehr als nur gute Beweise, um den dicken Drogenfischen ans Leder zu gehen. Schnell merkt der Leser, dass es um weit mehr geht als illegale Straßengeschäfte. Ganze Regierungen hängen in den Deals mit drin.

Die Geschichte erzählt gut 20 Jahre Drogenkrieg. Und die Arbeit der Ermittler erfordert Kollateralschäden: Kollegen werden gefoltert, Spitzel inklusive der Familien massakriert, Ganze Landstriche mit Entlaubungsmittel verwüstet, Unschuldige Bauern getötet. Nicht zuletzt kommt Keller hinter geheime Deals zwischen seiner eigenen Regierung und den Drogenbossen. Die mischen ganz oben mit. Die Mafia als Vorposten gegen den Kommunismus.

Die Arbeit kostet Keller das Privatleben. Seine Frau hat irgendwann keine andere Wahl mehr, als ihn zu verlassen, obwohl sich Keller mit dem Familienleben alle Mühe gibt. Nun ist er umso entschlossener und jagt jahrelang die wichtigsten Drogenbosse Mexikos. Zunächst Miguel Àngel Barrera und später dessen Neffen Adán.

Man erfährt, wie sich das Drogengeschäft im Laufe der Jahre verändert. Zum einen die Drogen selbst, mal ist es Opium, dann Heroin, dann Kokain, mal das Geschäft selbst: Adán Barrera baut das Kokain, mit dem man die US-Straßen immer mehr überflutet, nicht selbst an – das wird in Kolumbien gemacht. Er verdient viel besser mit dem Transfer der Drogen in die Staaten.

Keller schafft es, die Führer der Drogen-Clans gegeneinander auszuspielen. Dennoch ist es ein weiter Weg, um Barrera dingfest zu machen, schließlich bewacht ihn eine Privatarmee. Zudem ist es schwierig, vertrauenswürdige Helfer zu finden.

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  • An den vielen Toten und Verletzten bei den Bandenkriegen in Mexiko und auch anderswo tragen die hiesigen Konsumenten eine erhebliche Mitschuld. Aber das dürfte den hiesigen Konsumenten von Drogen egal sein, stumpfen Drogen doch maasiv ab.

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