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Krimi um „Himmelsscheibe von Nebra“ geht weiter

Die rätselhafte Kriminalgeschichte der 3600 Jahre alten „Himmelsscheibe von Nebra“ beschäftigt erneut die Justiz. In einem Berufungsprozess vor der 10. Strafkammer des Landgerichts in Halle (Sachsen-Anhalt) wird ab 1. September das Verfahren gegen zwei mutmaßliche Hehler des Millionen-Schatzes neu aufgerollt. Die Himmelsscheibe ist die älteste genauere Sternenabbildung der Welt.

dpa HALLE. Die rätselhafte Kriminalgeschichte der 3600 Jahre alten „Himmelsscheibe von Nebra“ beschäftigt erneut die Justiz. In einem Berufungsprozess vor der 10. Strafkammer des Landgerichts in Halle (Sachsen-Anhalt) wird ab 1. September das Verfahren gegen zwei mutmaßliche Hehler des Millionen-Schatzes neu aufgerollt. Die Himmelsscheibe ist die älteste genauere Sternenabbildung der Welt.

Angeklagt ist die 45-jährige Museumspädagogin und ehemalige Leiterin eines privaten Stadtmuseums aus Kaarst (Nordrhein-Westfalen), Hildegard Burri-Bayer, und der 65-jährige Lehrer Reinhold Stieber aus Jüchen (Nordrhein-Westfalen). Beide Angeklagte pochen auf ihre Unschuld und sehen sich zu Unrecht verurteilt. Von der Wiederaufnahme des Verfahrens erwarten beide einen Freispruch.

In erster Instanz waren die beiden Angeklagten am 19. September 2003 vom Amtsgericht Naumburg zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Frau erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung und muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Ihr Komplize erhielt sechs Monate Haft auf Bewährung und 5000 € Geldstrafe.

„Für die Verhandlung sind zunächst vier Tage eingeplant, zehn Zeugen sollen gehört werden“, sagt Richter Torsten Gester. Möglicherweise wird ein Urteil am 16. September gesprochen. Eigentlich sollte der Prozess schon im Mai beginnen, wurde dann aber aus Krankheitsgründen kurzfristig verschoben.

Die Himmelsscheibe wurde am 4. Juli 1999 auf dem 252 Meter hohen Mittelberg bei Nebra (Sachsen-Anhalt) von zwei bereits verurteilten Raubgräbern mit einem Metalldetektor entdeckt. Die Scheibe wurde zusammen mit zwei bronzezeitlichen Schwertern mit goldenen Griffklammern, zwei Randleistenbeilen, zwei Bronzebeilen sowie diversen Armreifen und Kleinteilen gefunden. Die wertvollen Stücke gehören nach dem so genannten Schatzregal automatisch dem Land Sachsen-Anhalt.

„Ich habe die Himmelsscheibe nicht unrechtmäßig erworben“, sagt Stieber im Vorfeld des Prozesses der dpa und erklärt: „Außerdem sollte es in Basel ja nur um eine Echtheitsprobe an der Himmelsscheibe gehen und nicht um den Verkauf.“ Er verwahrt sich auch dagegen, dass er die Himmelsscheibe in die Schweiz eingeführt hat. Die Schweiz fordert von Stieber nach seinen Angaben nachträglich die Nachzahlung einiger tausend Euro Einfuhrzoll.

Das Naumburger Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten sich mit dem Fund bereichern wollten. Laut Urteilsbegründung hätten sie als Hobbyarchäologen den Wert des Schatzes genau gekannt und gewusst, dass er nach den gesetzlichen Bestimmungen dem Land Sachsen-Anhalt gehört.

Für die Bereicherungssucht des Duos spreche die Tatsache, dass sie den Fund für 230 000 DM von einem Hehler erworben und dann für 700 000 DM dem Landesarchäologen Harald Meller angeboten hätten. Dieser war zum Schein auf das Geschäft eingegangen, worauf die beiden am 23. Februar 2002 von den Ermittlern im Hilton Hotel in Basel (Schweiz) vorläufig festgenommen wurden. Neben der „Himmelsscheibe“ konnten auch die anderen Teile aus dem Bronzeschatz sichergestellt werden.

Burri-Bayer weist alle Vorwürfe von sich und sieht sich von den Behörden nicht verstanden. Sie habe den Schatz nur für Deutschland retten wollen, hatte sie dem Amtsrichter in Naumburg gesagt. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen sie außerdem seit März 2004 wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Sie soll auf einem Acker in der Nähe ihres Heimatortes ein Minenteil illegal ausgegraben und zur Schau gestellt haben. Juristen sehen darin für das Gericht die Möglichkeit, sie als Unbelehrbare hart zu bestrafen.

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