Kriminalfall Giacometti
Kunstfälscher ist geständig

Künstlergenie Giacometti soll höchstens 500 Skulpturen geschaffen haben. Auf mindestens das Doppelte brachte es ein Bildhauer, der sich deshalb vor Gericht verantworten muss.
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StuttgartEin Bildhauer hat vor dem Landgericht Stuttgart die Fälschung Hunderter vermeintlicher Giacometti-Skulpturen gestanden. Sein Anwalt sagte am Mittwoch, dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass seine Skulpturen auf dem Kunstmarkt als Originale ausgegeben wurden.
Der 56-Jährige gilt als künstlerischer Kopf einer Bande, die über Jahre mit wertlosen Metall-Skulpturen in Deutschland Millionen gemacht hat. Laut Anklage geht es um einen Schaden von acht Millionen Euro. Zudem habe es Pläne gegeben, mit Fälschungen weitere 50 Millionen Euro zu erzielen. Viele Skulpturen trugen die typischen Giacometti-Signaturen und die passenden Gießereistempel.
Der Angeklagte habe die Skulpturen auch mit Signaturen versehen, am Vertrieb der Fälschungen sei er aber nicht beteiligt gewesen, sagte sein Verteidiger. Auch habe er keine Reichtümer angehäuft, sondern lebe mittellos. Sich selbst bezeichnete der Angeklagte als „glühenden Anhänger“ Giacomettis. Dessen Werke seien „super-genial einfach“.
Werke des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901-1966) werden auf dem Kunstmarkt hochgehandelt. Seine Bronzefigur „Zeigender Mann“ wurde im Mai für rund 141,3 Millionen Dollar inklusive Kaufprämie versteigert und stellte damit einen Auktionsrekord der teuersten je versteigerten Skulptur auf. Laut Schätzungen hat der Schweizer maximal 500 Skulpturen hergestellt, im Lager der Bande wurden mehr als 1000 Fälschungen gefunden. Der Angeklagte gab laut Medienberichten an, mindestens 1300 Giacomettis gefälscht zu haben.
Das Landgericht Stuttgart hat in dem Fall bereits fünf Urteile gefällt: Die beiden anderen Köpfe der Bande, die mit den Fälschungen handelten, erhielten Haftstrafen von jeweils mehr als sieben Jahren. Der Bildhauer war in Thailand untergetaucht. Bei seiner Rückkehr nach Holland wurde er verhaftet und an Deutschland ausgeliefert.

Eine Haftstrafe von gut neun Jahren bekam ein Mann, der sich stets als „Reichsgraf von Waldstein“ und Freund von Alberto Giacomettis Bruder Diego ausgab. Er erzählte seinen Kunden, die Skulpturen stammten aus einem von den Erben Giacomettis geheim gehaltenen Fundus. Zum Beweis der Echtheit und der Legende legte er freilich ebenfalls gefälschte Echtheitszertifikate sowie das Buch „Diegos Rache“ vor. Gestrickt hatte die fantasievolle Legende ein Mainzer Antiquitätenhändler, der vom Landgericht Stuttgart zu gut sieben Jahren Haft verurteilt wurde.
Die Bande flog vor sechs Jahren auf, als sie einem verdeckten Ermittler des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg gefälschte Metallskulpturen für 1,3 Millionen Euro anbot. Wenig später wurde in Mainz ein Lager ausgehoben.
Das Landgericht hat sieben weitere Termine bis Mitte August terminiert. Es sollen sechs Zeugen gehört werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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