Kritische Bestandsaufnahme
SWR gibt Einblicke in „Spiegel“-Interna

Wie steht es um das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“? Der SWR berichtet aus einem internen Papier, was die Chefredaktion als kritische Bestandsaufnahme bezeichnet. Die enthüllt vor allem starke Kritik an den Strukturen.

HamburgAus dem Verlag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist ein kritisches internes Papier öffentlich geworden, das Veränderungen anmahnt. „Wir haben mit einer umfassenden Restrukturierung des Spiegel-Verlags begonnen und gleichzeitig zahlreiche Wachstumsprojekte in Gang gesetzt“, teilten die Chefredakteure Klaus Brinkbäumer (Print) und Florian Harms (Online) sowie Verlagsgeschäftsführer Thomas Hass am Donnerstag auf Anfrage dazu mit. „Unter anderem haben wir ein Team aus Redaktion, Verlag und Dokumentation mit einer kritischen Bestandsaufnahme des gesamten Unternehmens beauftragt, entstanden ist der Entwurf eines Innovationsreports.“

Zuerst hatte das Radioprogramm SWR2 Kultur Aktuell am Donnerstag über die Inhalte des Papiers berichtet. Nach Darstellung des Senders rechnet der Report mit den Verlags- und Redaktionsstrukturen, mit der Unternehmenskultur und der wirtschaftlichen Situation beim „einstigen Flaggschiff des deutschen Journalismus“ ab.

Die Projektgruppe könne frei und ohne jede Zensur arbeiten, weil nur auf diese Weise echte Innovation möglich sei, erklärte die Verlags- und Redaktionsspitze. „Naturgemäß stimmen wir nicht mit allen Kritikpunkten überein, aber Offenheit und Kritikfähigkeit gehören zwingend zum von uns gewünschten Prozess der Veränderung.“ Sobald der Abschlussbericht vorliege, solle er mit dem gesamten Haus diskutiert werden.

Nach Angaben des Radiosenders umfasst das ihm vorliegende, aus dem Januar stammende Papier 61 Seiten. Darin würden offene Führungsstrukturen, transparente Arbeitsverträge und der Auszug aus dem Hamburger Verlagsneubau gefordert. Zu solchen Details äußerte sich die Verlags- und Redaktionsspitze aktuell nicht.

Der Verlag hat bereits im vergangenen Jahr ein Spar- und Umstrukturierungsprogramm aufgelegt. Nach den Verlagsvorgaben von 2015 sollen möglichst bis Ende 2016 rund 35 Vollzeitstellen in der Print-Redaktion, 14 in der Dokumentation und 100 im Verlagshaus (Verwaltung/Anzeigen) wegfallen. Zuvor waren in diesen Bereichen 727 Mitarbeiter beschäftigt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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