Künstler und „Kind“
Düsseldorfer Ausstellung zeigt Robert Filliou

Rund 180 Werke des Fluxus-Künstlers Robert Filliou bietet das Düsseldorfer Museum Kunst Palast von Samstag an bis zum 9. November in der bisher umfassendsten Filliou-Rückschau.

HB/dpa DÜSSELDORF. Mit den künstlerischen Ausdrucksformen von Poesie bis Film, von Objektkunst bis Grafik spielte der Franzose Robert Filliou (1926-1987) zeitlebens souverän. Die Relikte von Fluxus-Aktionen seit den späten 60er Jahren, die Collagen aus Alltagsmaterial und -gedanken, geheimnisvolle Schachteln oder zu visuellen Gedichten gereihte Gegenstände lassen den Kosmos eines Künstlers deutlich werden, der sich den spielerischen Ernst eines Kindes bewahrt hat.

In der Zeit, in der junge Künstler ihre Arbeit wieder stärker mit dem Alltag, mit Poesie und Wissenschaft verschränken, ist die „Wiederentdeckung“ Fillious, dessen Retrospektive noch in Lille (Dezember bis März) zu sehen sein wird, wohl kein bloßer Zufall. Die Gleichwertigkeit von Gut-Gemachtem, Schlecht-Gemachtem und Nicht- Gemachtem, so erläutert Ausstellungskuratorin Heike van den Valentyn, ist der Schlüssel zum Werk des bedeutenden Franzosen, der als studierter Ökonom über die Poesie den Weg zur Kunst gefunden hat.

So besteht eines der Hauptwerke von 1968 zum „Prinzip der Äquivalenz“ aus einer Riege nach mathematischer Reihung gehängter Holzkästchen, in denen „gut gemachte“ oder arg schlechte rote Socken zu sehen sind. Und dass die Kreativität nichts mit dem einsamen Genie zu tun hat, beweisen zahlreiche Kunst-Kooperationen: So illustrieren Filliou und Daniel Spoerri das englische „Raining Cats and Dogs“ (1964/69) mit zwei entsprechenden Tierfiguren unter einem roten Regenschirmchen. Im Kontrast dazu ein „Werkzeugkreuz“ (1969) aus Säge, Bohrer und Hammer: Der „geniale Bastler“ Filliou sieht's als Hommage an das geschätzte Handwerk - und gleichzeitig lässt das Kreuz auch an die Marterwerkzeuge Christi denken.

Sichtbar enger Austausch geschah zwischen dem ungleich gedankenschwereren Joseph Beuys und Filliou: Beuys schenkte ihm ein arg zerschlissenes Mini-Radio, nun in einer Vitrine präsent; der Franzose widmete dem Niederrheiner „Joseph Beüys“ eine seiner blanken Leinwände als „ungemaltes Porträt“. Und auch der Besucher kann an Fillious Seite kreativ werden, indem er einen Roulette-Rotor bewegt: „Lege Dich mit gestreckten Beinen auf den Rücken“, könnten dann etwa die Zeiger deuten.

Dass die schäumende Fantasie des „Genies ohne Talent“ (Filliou über Filliou) auch der Politik Platz lässt, zeigen seine Fotocollagen von 1970 mit dem Vorschlag des Transfers europäischer Krieger- Gedenkstätten. Vor der Tragik des Todes, so weiß der ehemalige Resistance-Kämpfer, verblasst nationales Brimborium. Warum sollte nicht der leere Bilderrahmen an langen Stöcken das neue Banner der von Filliou propagierten „Genialen Republik“ jenseits aller Grenzen sein?

Öffnungszeiten: Di. bis So. 11.00 bis 18.00 Uhr.

Internet: Museum Kunst Palast: www.museum-kunst-palast.de

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