Kultur Abu Dhabi präsentiert Weltkunst in der Wüste

Nach zehnjähriger Bauzeit öffnet der Louvre Abu Dhabi seine Türen. Das spektakuläre Museum stellt Werke unterschiedlicher Kulturen einander gegenüber: Nur Darstellungen von Nacktheit sucht der Besucher vergebens - fast.
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Prunk für ein besseres Image – das ist Abu Dhabis neuer Louvre

Prunk für ein besseres Image – das ist Abu Dhabis neuer Louvre

Abu Dhabi Der Blick des Besuchers im Louvre Abu Dhabi fällt mit als erstes auf eine zweiköpfige Jungsteinzeit-Statue aus Jordanien, eine der ältesten der Menschheitsgeschichte. Die Dualität - der Blick zurück und in die Zukunft, der sowohl den Osten als auch den Westen umfasst - ist ein Thema, das sich über das gesamte Museum erstreckt. Nach zehn Jahren voller Verzögerungen und Kritik öffnet das neue Kunsthaus am Samstag seine Türen für die Öffentlichkeit.

Die konservative Moral von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, zeigt sich in der relativen Abwesenheit von nackten Körperdarstellungen in der Kunst. Dennoch präsentiert die Sammlung des neuen Louvres eine kurze Geschichte der Welt und ihrer wichtigsten Religionen. Auch der Judaismus wird nicht ausgespart, und das in einem Land, das Israel offiziell nicht anerkennt.

Die spektakulärsten Museen der Welt
Experience Music Project
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Frank O. Gehry, der Architekt der nach ihm benannten „Gehry-Bauten” in Düsseldorf, ließ sich beim Entwurf des Experience Music Projects in Seattle von einer zerbrochenen Fender Stratocaster-Gitarre inspirieren. Gestiftet wurde das 2000 eröffnete Museum von Paul Allen, dem Mitbegründer von Microsoft.

Guggenheim Bilbao 1
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Ebenfalls von Frank O. Gehry stammt das Guggenheim Museum im spanischen Bilbao. Das Bauwerk steht für ein neues Verständnis von Museumsarchitektur, da das Gebäude als solches bereits als Kunstwerk gilt.

Guggenheim Bilbao 2
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Am Ufer des Nervion steht „Maman”, die berühmte Spinnenskupltur von Louise Bourgeois vor dem Gebäude in Bilbao. Seit Eröffnung des Museums 1997 hat sich die kleine Industriestadt zu einer Kunstmetropole gewandelt. Dieses Phänomen wurde unter dem so genannten „Bilbao-Effekt“ bekannt.

Centre Georges Pompidou
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Das 1977 eröffnete Centre Georges Pompidou wurde vom ehemaligen Staatspräsidenten Georges Pompidou initiiert und von den Architekten Renzo Piano und Richard Rogers konzipiert. Auffallend bei dem Pariser Museum sind sind die vielen Rohre, Leitungen und Rolltreppen, die sichtbar nach außen verlegt wurden. Diese Bauweise soll für das Kunstmuseum den Vorteil haben, dass die Wände im Inneren beliebig verschoben werden können.

Centre Pompidou-Metz
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Das Centre Pompidou-Metz wurde 2010 als Zweigstelle des Centre Georges Pompidou Paris im französischen Metz errichtet. Als prägendes Bauelement wählten die Architekten von Shigeru Ban Architects Europe und Jean de Gastines Architectes die von einem chinesischen Bambushut inspirierte Gitterdachkonstruktion, eine Art Flechtschirm aus Schichtleimholz.

Jüdisches Museum
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Der Star-Architekt Daniel Libeskind entwarf den Neubau des Jüdischen Museums in Berlin, der nur durch das Untergeschoss mit dem barocken Altbau nebenan verbunden ist. Der „Garten des Exils” (vorne) soll den Besucher verwirren und desorientieren. 49 Pfeiler stehen auf geneigtem Boden.

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Die Architektur des Neubaus zeichnet sich durch den zickzackförmigen Grundriss, geneigte Böden, eine glänzende Titan-Fassade, spitze Winkel und die für Libeskind typisch geformten Fenster aus.

„Hier im Louvre Abu Dhabi schreiben wir Geschichte“, sagt Mohamed Chalifa al-Mubarak, Leiter der Tourismus- und Kulturbehörde des Emirats. „Dieses Museum ist viel mehr als nur ein Museum.“

Der vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfene Kunsttempel liegt unter einem wabenförmigen Dom aus acht Schichten geometrischer Formen im arabischen Stil. Durch Öffnungen im Dach fallen einzelne Lichtstrahlen auf Meerwasser-Pools im Außenbereich und werfen tanzende Reflexionen an die weißen Wände. In der Nacht dagegen steigt das Licht nach draußen vor der Skyline der Stadt auf wie kleine Sterne aus einem Salzstreuer.

„Ich stelle mir diese Metapher des Himmels vor, kosmisch, kosmografisch, mit einem Zufallssystem wie den Sternen selbst“, sagt Nouvel der Nachrichtenagentur AP. „Ich stelle mir vor, mit wenig Licht eine Art Lichtregen zu kreieren.“

Dieser Regen war lange erwartet worden in dem Wüstenstaat, einer Föderation aus sieben Scheichtümern auf der arabischen Halbinsel. Erstmals kündigten die Behörden in Abu Dhabi das Projekt 2007 an, während das liberalere Dubai quasi nebenan fieberhaft an den größten Gebäuden der Welt und anderen architektonischen Weltwundern baute. Heute stehen weite Teile der Insel Saadiyat noch leer, die einmal als Kulturviertel mit dem Museum als Mittelpunkt dienen soll. Ein geplanter Ableger des Guggenheim-Museums ist noch nicht gebaut worden, lediglich das Fundament wurde bisher gegossen.

Ein Grund dafür ist der Rückgang des Ölpreises weltweit von mehr als 100 Dollar (86 Euro) pro Barrel im Jahr 2014 auf etwa 30 Dollar Anfang 2016. Um die Kosten des Museums machen die Behörden in Abu Dhabi bisher ein Geheimnis.

Die beliebtesten Museen Deutschlands
10. Platz: Deutsches Historisches Museum, Berlin
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In der Hauptstadt steht das Deutsches Historisches Museum, welches sich auf dem zehnten Platz einreiht. Eine ständige Ausstellung, welche man hier bewundern kann, heißt „Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen“ und wurde im Juni 2006 von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. Seit dem 1. April 2017 wird das Museum von Raphael Gross geleitet.

(Quelle: TripAdvisor)

9. Platz: Jüdisches Museum, Berlin
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Auch das nächste Museum steht in Berlin. Das Jüdisches Museum ist das größte jüdische Museum in Europa. Hier wird selbstredend die jüdische Geschichte gezeigt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verhältnis zwischen Juden und andersgläubigen Menschen in Deutschland.

8. Platz: Porsche Museum, Stuttgart
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Im Porsche Museum dreht sich – wie der Name schon verrät – alles um die Autos der Marke, die zum VW-Konzern gehört. Dementsprechend können Besucher hier die Autos aus verschiedenen Zeiten betrachten und sich über sie und die Marke „Porsche“ informieren. Insgesamt befinden sich in dem Museum etwa 80 verschiedene Fabrikate, welche ständig ausgetauscht werden.

7. Platz: Residenz München
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Auf dem siebten Platz befindet sich die Residenz München. Sie war von 1508 bis 1918 Wohn- und Regierungssitz der bayerischen Herrscher. Es handelt sich hierbei um das größte Innenstadtschloss in Deutschland und ein Raumkunstmuseum. 130 Schauräume, welche verschiedenen Kunstepochen wie zum Beispiel der Renaissance und dem Barock zuzuordnen sind, kann der Besucher durchschreiten.

6. Platz: Deutsches Museum, München
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Auf dem sechsten Platz befindet sich mit dem Deutsches Museum ein weiteres Museum, welches in München steht. Hier sind die Naturwissenschaften und die Technik im Fokus der Austellungen. Das Museum hat eine Sammlung von mehr als 100.000 Objekten. Es werden zeitgleich verschiedene Ausstellungen zu unterschiedlichen Themengebieten gezeigt.

5. Platz: Neues Museum, Berlin
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In dem seit 2009 wieder geöffneten Neues Museum werden verschiedene Exponate von drei Themenschwerpunkte ausgestellt: Ägyptisch, Vor- und Frühgeschichte und Antike. Den Besuchern soll ein umfassender Überblick über die Entwicklungen in der Vor- und Frühzeit vermittelt werden.

4. Platz: BMW-Museum, München
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Knapp das Treppchen verpasst hat das BMW-Museum in München. Hier werden natürlich die Autos des Konzerns ausgestellt. Neben den modernen Fahrzeugen können die Besucher auch die Autos aus früheren Zeiten bestaunen. Ungefähr 120 Exponate werden auf einer Fläche von vom als 4.900 Quadratmetern zur Schau gestellt.

Bekannt ist dagegen, dass Abu Dhabi einer Zahlung von 525 Millionen Dollar an Frankreich zustimmte, um den Namen „Louvre“ für die nächsten 30 Jahre und sechs Monate nutzen zu dürfen. Daneben sind 750 Millionen Dollar für die Bezahlung französischer Manager gedacht, die die 300 Leihgaben des Museums überwachen. Ein weiterer Bestandteil des Deals: Im Pariser Louvre trägt nun ein Zentrum den Namen des verstorbenen VAE-Präsidenten Scheich Said bin Sultan Al Nahjan.

Während der Bauphase geriet das neue Louvre-Projekt in die Kritik, weil Arbeiter über niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten und Hitze klagten. Ein Arbeiter kam im Jahr 2015 bei einem Unfall ums Leben, ein anderer starb im Jahr darauf nach Angaben der Behörden von Abu Dhabi eines natürlichen Todes.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden Hunderte Arbeiter auf der Insel ausgewiesen, nachdem sie aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen in Streik getreten waren, darunter auch Mitarbeiter des Louvre-Projekts. Arbeitsniederlegungen sind in den Emiraten verboten.

Der Direktor des Pariser Louvre, Jean-Luc Martinez, betont, die Führung des neuen Museums habe immer sehr offen über Arbeitsbedingungen gesprochen. Er beschreibt den Louvre Abu Dhabi als Brücke zwischen Asien, Afrika und Europa. „Wir sind kein europäisches Museum“, sagt Martinez der AP. „Es ist ein Ort, um die Welt von Abu Dhabi aus zu sehen.“

Das beginnt in der ersten Ausstellungshalle, wo der Fußboden den Umriss der Vereinigten Arabischen Emirate zeigt mit den Namen verschiedener Weltstädte auf Arabisch, Chinesisch, Englisch und Hindi. In den Ausstellungen werden verschiedenen Kulturen einander gegenüber gestellt: So ist etwa eine französische Rüstung direkt gegenüber von einem japanischen Kampfanzug positioniert.

Die beliebtesten Spots für Touristen – und Einheimische
Interessenspunkte nach Check-ins
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Europäische Hauptstädte wie Paris und Rom sind stark nachgefragte Reiseziele. Vielerorts bleiben den Einwohnern Plätze, Märkte oder Stadien, die von Touristen noch nicht überlaufen sind. In drei Metropolen sind die Spitzenplätze des TripAdvisor-Rankings deckungsgleich.

Für die Erhebung hat das Reiseportal anonymisierte, mobile Daten ausgewertet, um die meistbesuchten Interessenspunkte an ausgewählten touristischen Destinationen zu ermitteln. Sie zeigt auf, wo User ihre Zeit am Heimatort und in der Fremde verbringen.

Quelle: TripAdvisor

Khao San Road (Bangkok)
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Die Straße ist besonders bei Reisenden frequentiert, kein anderes Ziel steuern sie häufiger an. Bei Einheimischen liegt die Khao San Road dagegen nicht hoch im Kurs.

Siriraj Medical Museum (Bangkok)
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Auf den ersten Blick erscheint es wenig massentauglich, doch das thailändische Museum ist das Ausflugsziel Nummer eins für Einheimische Bangkoks. Es dient der Wissenschaft.

Sagrada Familia (Barcelona)
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Die Basilika von Antoni Gaudi ist das Wahrzeichen der katalanischen Metropole. Während sie bei Reisenden auf Platz eins steht, taucht sie bei Ortsansässigen nicht einmal unter den ersten Drei auf. Sie steuern vor allem das Einkaufszentrum La Maquinista an.

Alexanderplatz (Berlin)
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Berlin bildet eine Ausnahme. Den Daten von TripAdvisor zufolge wählen Berliner und Touristen die gleichen Sehenswürdigkeiten, zumindest nach der Häufigkeit der Besuche. Der Alexanderplatz steht ganz oben auf der Liste. Es folgt das Mauermuseum am Checkpoint Charlie. Zusätzlich hat das Reiseportal noch etwas herausgefunden: Während sich Reisende kulinarisch überwiegend in Berlin Mitte aufhalten und bei Ketten auf internationale Marken setzen, zieht es die Einheimischen nach Schöneberg, Kreuzberg und Charlottenburg.

The Magnificent Mile (Chicago)
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Die Hauptstraße Michigan Avenue führt mitten durch die Stadt am Lake Michigan. Banken und Shops säumen The Magnificent Mile, ein Abschnitt der Straße. Ansässige nutzen den öffentlichen Ort immer wieder für Protestaktionen. Touristen und Einheimische treffen hier gleichermaßen aufeinander.

Tower of London
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Rang eins unter Touristen: Der Gebäudekomplex entlang der Themse. Jährlich zählt der Tower of London Millionen Besucher.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Darstellung der Weltregionen nebeneinander. In einer Ausstellung wird eine jüdische Grabstele aus Frankreich aus dem Jahr 1250 zusammen mit einem muslimischen Gegenstück aus Tunesien und dem steinernen Epitaph eines christlichen Erzbischofs aus dem Libanon präsentiert. Eine französische Madonnenstatue steht neben einem Abschnitt aus einem syrischen Koran von etwa 1250.

In einem abgedunkelten Raum findet sich eine Seite aus einem der ältesten Korane neben einer gotischen Bibel, buddhistischen Sutras und einer Tora aus dem Jemen aus dem Jahr 1498. Im noch immer von Konflikten zwischen den Religionen zerrissenen Nahen Osten ist allein diese Kombination ein wichtiges Statement.

Nacktheit findet sich kaum in dem neuen Kunsthaus, allenfalls in Form blanker Brüste auf einem italienischen Teller oder als nackte Bronze-Statuen von Edgar Degas. Kunstfreunde können sich auf Werke von Weltklasse-Künstlern wie Leonardo da Vinci, Pablo Picasso und Andy Warhol freuen. Die Ausstellung endet mit einer Installation des chinesischen Künstlers Ai Weiwei mit dem Titel „Ein Fundament des Lichts“.

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  • dpa
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