Kultur
Melancholie, N.Y.

Wer sich vom Christmas-Shopping erholen möchte, ist im New Yorker Met-Museum, einer Pilgerstätte der Kunstgeschichte, gut aufgehoben. Dort findet sich dieser Tage ein ebenso großer Andrang wie im „Metropolitan Museum of Art“, eines der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Big Apple. Eine Reise in die Kulturstätten New Yorks.

NEW YORK. Wenn einer wie in diesen Tagen auf den Treppen vor dem „Metropolitan Museum of Art“ den steinalten Sam-Cooke-Popsong „Wonderful World“ singt und die Anfangszeile „Don’t know much about history“ besonders inbrünstig intoniert, dann ist das entweder Zufall oder Blasphemie oder Selbstironie oder New Yorker Stadtleben oder alles zusammen.

Die Leute auf den Treppenstufen vor dem Museum mögen das Lied und den Sänger, der gegen den Verkehrslärm von der „Fifth Avenue“ ansingen muss, als ginge es um sein Leben. Sie applaudieren, geben ein paar Dollarnoten her und wenden sich wieder dem Hot Dog oder dem Met-Katalog oder beidem zu, während es der Sänger mit dem Temptations-Klassiker „My Girl“ versucht.

Vor und im New Yorker „Met“, weniger eine Weihe- als eine Pilgerstätte der Kunstgeschichte, ist in diesen Tagen ordentlich Andrang. Touristen finden sich routinemäßig ein, das „Metropolitan Museum of Art“ ist eines der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in New York – vielleicht auch deshalb, weil es – oasenartig – im Central Park gelegen ist und weil es vielleicht die einzige öffentliche Großtreppe in Manhattan ist, auf der man sich getrost niederlassen kann, ohne von Sicherheitsmenschen verscheucht zu werden. Von hier aus geht der gelassene Blick hinüber zu den noblen Adressen an der Fifth Avenue, wo Doormen die Gebetenen vor den Ungebetenen bewahren und wo das Grün der Dachgärten und -terrassen mit dem Central Park korrespondiert, in den der laubvernichtende Winter zuletzt partout nicht einziehen wollte. Bis in die letzten Novemberwochen erinnerte New Yorks Naherholungsreservoir an den „Indian Summer“.

Wer sich vom Christmas-Shopping – etwa im nahen „Bloomingdale’s oder im Spielzeugparadies F.A.O. Schwarz – erholen will, ist im „Met“ gut aufgehoben. Kunstliebhaber aus aller Welt kommen noch rasch vorbei, um Sonderausstellungen zu besuchen, die im Januar schließen, etwa „Das Zeitalter Rembrandts“, in dem die Sammlungen niederländischer Malerei des Museums eindrucksvoll präsentiert werden. Stets umlagert: das strenge Werk „Aristoteles vor der Büste des Homer“ von Rembrandt und die hübsch sinnlichen Bilder von den niederländischen Kneipen, von Suff, Gelage und Tanz des Frans Hals.

Im März nächsten Jahres wird die Sonderausstellung mit Grabschmuck und -beigaben „Eternal Ancestors. The Art of the Central African Reliquiary“ geschlossen. Sie ist insofern auch bemerkenswert, weil sie einerseits versucht, Parallelen zwischen afrikanischer und westlicher Kunst aufzuzeigen und andererseits eine Reverenz des New Yorker Museums vor europäischen Sammlungen ist: Viele der ausgestellten Stücke dürften deutschen Besuchern aus dem Ethnologischen Museum in Berlin bekannt sein, andere aus Paris oder sogar Lübeck.

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