Kulturdiplomatie auf Japanisch
Die Leiden des jungen Prinzen aus Lumbli

Das japanische Außenministerium ehrt ausländische Manga-Zeichner und will damit die weltweite Bedeutung der Bildgeschichten anerkennen. Die Verlage verdienen derweil prächtig an den Mangas – längst nicht nur in Japan, sondern auch in Europa und den USA.

TOKIO. Zelos Baart, der Prinz von Lumbli, soll die Prinzessin von Orioc heiraten. Der 15-Jährige verweigert die Heirat zunächst, und eine magische Kraft verwandelt ihn in einen 10-Jährigen, so dass er zusammen mit einer Dienerin der Prinzessin versucht, seine ursprüngliche Gestalt wiederzuerlangen. Daraus ergeben sich Verwicklungen, die vermutlich nur für 15-jährige Leser verständlich sind.

Dem japanischen Außenministerium ist diese Geschichte einen „Internationalen Mangapreis“ wert. Mit ihm will Japans Regierung künftig jährlich Comiczeichner ehren, die dem japanischen Stil folgen, aber keine Japaner sind. Die Kulturdiplomaten wollen damit die gestiegene Bedeutung der Bildgeschichten anerkennen. Die Comics, auch Manga genannt, prägen weltweit gerade für Heranwachsende das Bild vom kreativen und modernen Japan. Außenminister Taro Aso habe die neue, mehr auf Populärkultur ausgerichtete Strategie der Außendarstellung im vergangenen Jahr beschlossen.

Die Mangas haben jenseits der Kulturpolitik einen weiteren Vorteil – sie verkaufen sich auch prächtig, und die Verlage verdienen über Lizenzen mit. „Die steigende internationale Beliebtheit japanischer Comics hat die Verlagshäuser veranlasst, das Geschäft aggressiver auszubauen“, schreibt die Außenhandelsorganisation Jetro in einer Studie. Dem Markt für Mangas in Deutschland widmete Jetro im vergangenen Jahr eine eigene Publikation. Der deutsche Buchhandel setzt Schätzungen zufolge jährlich für 70 Mill. Euro japanische Comics ab. „Damit ist der deutsche Markt noch deutlich kleiner als der französische, er wächst aber schnell“, notiert die Außenhandelsorganisation. Die größten Spieler sind den Marktforschern der GFK zufolge der Carlsen Verlag mit 41 Prozent und Egmont mit 38 Prozent.

Die Produkte tauchen fast immer in mehreren Mediengattungen auf. So vermarktet das Verlagshaus Shueisha seinen Helden Naruto in Deutschland in Form von Büchern, einer Fernsehserie, Kinofilmen, Computerspielen und Sammelkarten. Shueisha ist je nach Produkt in 20 bis 30 Ländern präsent. Seit 2003 kooperieren der Verlag Kodansha und sein US-Partner Random House, indem sie aus den zahllosen japanischen Neuerscheinungen Comics übersetzen und in das internationale Vertriebsnetz des US-Verlags in Australien, Großbritannien, Deutschland, den USA und anderen Ländern einspeisen.

Der dritte Preis des Wettbewerbs geht an Benny Wong Thong Hou, einen Zeichner aus Malaysia, für die Geschichte „Le Gardenie“: Der 15-jährige Orange ist mit dem Mädchen Kiwi befreundet. Zu Beginn des neuen Schuljahrs verliebt er sich in Apple. Doch dann taucht die gut aussehende Lemon auf, und Orange ist hin- und hergerissen. Auch seine Freundschaft zu Kiwi ist nun in Gefahr. Die Jury wählte die Werke aus 146 Einsendungen aus. Ein Preisgeld gib es nicht. „Aber eine Anerkennung aus dem Heimatland der Mangas dürfte für die Zeichner schon Bedeutung haben“, hofft man im Außenministerium.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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