Kulturförderung
Ein Gebäck rettet Wagners „Ring“

Acht Unternehmen werden ausgezeichnet für ihre Phantasie in Sachen Kultur und ihre Begeisterungsfähigkeit. Das Handelsblatt stellt die hochgelobten, beispielhaften Projekte vor.

BERLIN. Die Idee ist so einfach wie genial. Das opernbegeisterte Unternehmerpaar Petra und Siegfried Beck kreiert einen Laugenring, „Den Nürnberger Ring“, als die Oper Nürnberg 2001 händeringend Sponsoren sucht für eine Neuinszenierung der vierteiligen Wagner-Oper „Der Ring des Nibelungen“. Das Erlanger Bäckereiunternehmen Der Beck GmbH zweigte vom Verkaufserlös eines jeden Brotzeit-Kringels 60 Pfennig, später 30 Cent, ab für die Oper. Verkäufe, Catering und pfiffiges Produkt-Marketing brachten es auf mehr als 100 000 Euro für die Ring-Inszenierung

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Eine ungewöhnliche Mischung aus neuer Musik und barocker Instrumentierung ist das Ergebnis des Projekts „About Baroque“, das das Siemens Arts Programm im vergangenen Jahr realisiert hat. Fünf junge Komponistinnen und Komponisten waren eingeladen, Auftragswerke für das Freiburger Barockorchester zu erarbeiten. Das Ensemble zählt zu den führenden Orchestern, die sich der historischen Aufführungspraxis mit alten Instrumenten widmen.

Damit die Kompositionen tatsächlich auf die Ausdrucksmöglichkeiten und Spielweisen des Orchesters abgestimmt sind, setzten sich die Komponisten zuvor in langen und intensiven Studierphasen mit den Besonderheiten der historischen Aufführungspraxis auseinander. Nach der Premiere beim Lucerne Festival war das Konzert mit den neu entstandenen Werken auch in Berlin, Erlangen, Dortmund und Huddersfield zu erleben. Das mit 1,9 Mill. Euro ausgestattete Siemens Arts Program initiiert Projekte, die innovative kulturelle Ansätze verfolgen in der Musik, dem Tanz und der bildenden Kunst.

Kein Geringerer als Simon Rattle, der Chef-Dirigent der Berliner Philharmoniker, hat 2002 die Deutsche Bank AG als Partnerin für seinen Plan gewinnen können, Berliner Kindern und Jugendlichen aus allen sozialen Schichten und verschiedener ethnischer Herkunft durch ein musikalisches Bildungsprogramm die Welt der klassischen Musik zu eröffnen. Zukunft@BPhil heißt das Programm, das seither rund 4000 Kinder und Jugendliche aus 114 Berliner Schulen erreicht hat und Aufsehen erregende Ergebnisse zeitigt.

„Rhythm is it!“ heißt das Tanzprojekt, das am Anfang von Zukunft@ BPhil stand und es unter diesem Titel sogar zum Kinofilm brachte. 200 Kinder aus Schulen mit zum Teil hohem Ausländeranteil tanzten zu Strawinskys Ballettmusik „Feuervogel“. Nach intensiven, Monate dauernden Proben wuchsen ihnen buchstäblich Flügel. Wer die Vorstellung sah, berichtet von unvergleichlichen Emotionen, die das Zusammenspiel von Philharmonikern und Jugendlichen auslöste.

Leidenschaft für die Musik sollen aber auch Schulorchestertreffen und andere musikbezogene Projekte in sozialen Einrichtungen wecken, die den eher alltäglichen Teil des Programms bilden – nach Rattles Motto: „Das Projekt soll uns daran erinnern, dass Musik kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis ist.“ Deutsche Unternehmen haben ein Herz für den Nachwuchs. Diesen Eindruck bekommt, wer die Liste der „Ausgezeichneten Projekte“ studiert, die beim Deutschen Kulturförderpreis 2006 lobende Erwähnung finden. Fünf der acht unternehmerischen Förderinitiativen zielen ausdrücklich auf junge Menschen ab. Das mag mit zu wenig musischem Schulunterricht zu tun haben, gesellschaftlicher Verantwortung und Bindung künftiger Konsumenten.

„Kolumbus – Klassik entdecken“ heißt dann auch ein musikalisches Bildungsprogramm, das seit 2000 rund 10 000 Schülerinnen und Schülern aus Südwestdeutschland und dem Elsass ins Festspielhaus Baden-Baden gelockt hat. Das Projekt wurde auf Anregung der Grenkeleasing AG gestartet.Die Initiative liegt bei den Lehrern und Schülern selbst. Sie wählen eine Veranstaltung, die im Unterricht gründlich vorbereitet wird. Dafür besuchen schon mal beteiligte Künstler die Schule, oder Klassen wohnen Proben bei. Am Ende steht der gemeinsame Besuch der Vorstellung. Damit der Eintritt acht Euro pro Besucher nicht übersteigt, stellt der Baden-Badener Finanzdienstleister pro Jahr eine Sponsoringsumme von rund 150 000 Euro bereit.

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