Kulturgeschichte der Kaugummi-Automaten
Ikonen des Wirtschaftswunders

Duisburg-Laar, das ist im Norden Thyssen-Krupp, im Osten Thyssen-Krupp, im Süden der Hafen und im Westen nur noch der Rhein. So stellt sich ein Böblinger Ruhrgebiet vor. Laar hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Hinter der Arndt-Straße stehen viele Wohnungen leer, zerschlagene Fenster. An einer Hauswand plötzlich ein gelber Fleck. Hier muss mal einer gewesen sein. Die Briefträgerin kann sich an nichts erinnern. Kaugummiautomat? Keine Ahnung.

HB DUISBURG. Manuel Schroeder sieht aus, wie die Mehrheit der kreativ Schaffenden in der Kölner Südstadt so herumrennt: Hose, Hemd, Schuhe, Socken, alles schwarz, zwei Silberringe an der Hand, ein Brilli im rechten Ohr, Gel im Haar. Schroeder hat Schriftsetzer gelernt und dann das Fotografieren. Im Ruhrgebiet hat er viel gearbeitet, „Arbeiterfotografie“, Hochöfen, Malocher, das ganze Programm. Manchmal auch Mode. Irgendwann hat er die Kaugummiautomaten entdeckt.

Bildergalerie: Die Kulturgeschichte der Kaugummi-Automaten

Es gibt sie noch, auch wenn sie außer den Kindern kaum einer mehr sieht, Überbleibsel aus einer anderen Welt, Blech-Kästen aus dem Wirtschaftswunder, herübergerettet aus einer Zeit, als man noch Groschen sagte zum 10-Pfennig-Stück. Ein Groschen Glück, zwei Mal gedreht, dann die Kugeln. Oder gar ein Taschenmesserchen. Und manchmal, als Krönung, das Mini-Feuerzeug. Kaugummiautomaten, Kindheit, die heile Welt als Erinnerung.

Mehr als 400 Kaugummiautomaten hat Manuel Schroeder auf seiner Deutschlandreise fotografiert, immer aus dem gleichen Winkel, immer in der Bildmitte, nie bei Sonnenschein. „Da kannst Du nichts verschieben, da ist nichts zu manipulieren“, sagt er. Für ihn sind die Kisten ein „soziales Sujet“, ein kleines, aber sprechendes Stück deutscher Wirklichkeit. Sie sind aber noch mehr.

„Ich wollte eine Art Bestandsaufnahme eines sterbenden Alltagsgegenstandes“, sagt er. So ist ein Projekt daraus geworden, eine Ausstellung: „100 Mal duchgekaut“, die stille Welt der Kaugummi-Automaten in Bild und Wort, 100 Fotos, dazu 100 Texte des Düsseldorfer Autors Thomas Schubert, zu sehen vom 2. September an in den Redaktionräumen des Handelsblatts.

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