Kulturkreis des BDI verschenkt Kunstsammlung
Ungeklärtes Verhältnis

Es ist ein großer Tag. Der Kulturkreis des BDI schenkt der Stadt Leipzig seine Kunstsammlung. Es ist ein Sieg des klassischen Mäzenatentums der Wirtschaft für die Kultur – ohne Image- und Publicity-Kalkül. Doch solche Gaben werden immer seltener.

LEIPZIG. Ein grauer Stuhl, ein schwarzer Stuhl, zwei Tische mit Stahlbeinen: An sich sind die beiden Herren größere Bühnen gewöhnt. Aber es geht um Kunst. Die hängt hinter ihnen an den weißen Wänden, und auf sie kommt es heute an. Deshalb sitzen Clemens Börsig, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, und Arend Oetker, Spross des Back-Imperiums und BDI-Vizepräsident, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig auf so kargem Mobiliar.

Es ist ein großer Tag. Gleich wird Börsig GfZK-Direktorin Barbara Steiner die Kunstsammlung schenken, die der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI zusammengetragen hat. Die 50 Werke deutscher Künstler wie Hans Hartung, HAP Grieshaber, Ewald Mataré, Ernst Wilhelm Nay und Fritz Winter bleiben von nun an in Leipzig. Fünf Mill. Euro ist die Sammlung wert, für die Stadt aber sei sie von „unschätzbarem Wert“, bedankt sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Es ist ein Sieg des klassischen Mäzenatentums der Wirtschaft für die Kultur – ohne Image- und Publicity-Kalkül. Doch solche Gaben werden immer seltener. „Das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft ist nicht geklärt“, sagt Direktorin Stein. Das heißt auch, dass die Kunst sich um ihre Unabhängigkeit sorgt in Zeiten des zielgruppenorientierten Sponsorings.

Die Übergabe der Sammlung des Kulturkreises an Leipzig ist das Ende einer Geschichte, die im Sommer 1989 begann. Da reiste eine Delegation des Kulturkreises durch DDR-Museen und -Ateliers und schnappte die Idee des Kunsthistorikers Klaus Werner auf, ein Stiftermuseum in der DDR zu schaffen. Emigrierte Ostdeutsche Künstler sollten es mit ihren Werken füllen.

Die Mauer fiel, die Idee wandelte sich. Der Kulturkreis, angetrieben von seinem damaligen Vorsitzenden Oetker, bot der Stadt Leipzig seine Sammlung an, wenn die im Gegenzug eine Galerie bereitstellt – ein perfektes Public-Private-Partnership. Um den Umbau der Villa Herfurth in Leipzig zur Galerie zu bezahlen, verkaufte der Kulturkreis 75 Werke aus der Zeit vor 1945. Erlös: vier Mill. Mark.

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