Kulturland Korea
Südkorea bleibt als Gast allein

Buchmesse-Gastland Südkorea lässt sich den Auftritt in Frankfurt 15 Millionen Euro kosten. Autoren aus Nordkorea sind dagegen auf der Messe nicht dabei. Doch die Literaturwelt hat Hoffnung auf ein Tauwetter.

HB FRANKFURT. Der südkoreanische Autor Ko Un ist ein Meister der leisen Töne. Und doch war der Lyriker derjenige, der bei der Eröffnung der Buchmesse am eindrucksvollsten an die Teilung Koreas erinnerte. "Ein Teilnahme des Nordens ließ sich nicht realisieren", sagt Ko Un bei seiner Eröffnungsrede. Dennoch gebe es einen Trost: "Die Literatur aus dem Norden steht Seite an Seite neben der unseren."

Denn Hoffnung auf Tauwetter gibt es bei den Autoren schon. Ko Un erinnert an das erste Schriftstellertreffen von nord- und südkoreanischen Autoren seit 60 Jahren, das im Sommer stattfand. Gemeinsam wollen die Autoren jetzt ein koreanisches Wörterbuch erstellen.

Wie man nach Jahren der Teilung eine gemeinsame Sprache bewahrt, davon können auch deutsche Autoren berichten, die sich zu einem Symposium mit ihren südkoreanischen Kollegen treffen. "Damit will die Buchmesse eine politische Diskussion ermöglichen", sagt deren neuer Direktor Jürgen Boos. Er will die Messe stärker politisieren und räumte auch dem Schriftstellerverband P.E.N., der sich für verfolgte Autoren einsetzt, ein Podium bei der Eröffnung ein.

15 Millionen Euro lässt sich Südkorea seinen Auftritt als Gastland kosten. 38 südkoreanische Schriftsteller lesen in Frankfurt. Mehr als 300 Veranstaltungen sollen den Deutschen vermitteln, dass Korea nicht nur eine Industrienation sondern ein Kulturland ist. Es gibt auch Diskussionen und Vorträge, in denen die politische Lage des geteilten Landes diskutiert wird, die offizielle südkoreanische Gastland-Präsentation im Forum spart diese Auseinandersetzung jedoch aus.

Hier wurden 1800 Übersetzungen koreanischer Bücher zusammengetragen. Hinweise auf die jüngere Geschichte des Landes, das bis 1987 eine Militärdiktatur war und seit dem Koreakrieg 1953 geteilt ist, bleiben beim eleganten Gastauftritt ganz der Literatur vorbehalten. Man muss sich also Zeit zum Lesen in der Gastlandhalle nehmen.

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