Kunst als Investment
Vergleich mit anderen Geldanlagen hinkt

Wer Kunst als reines Wirtschaftsgut betrachtet, wird mit eigenen, nicht unbedingt berechenbaren Regeln konfrontiert. Die britische Kunstkritikerin Melanie Gerlin hat die Unterschiede zu anderen Anlageklassen analysiert und festgestellt: Kunst kann mit anderen Anlageklassen nicht mithalten.
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BerlinDer Buchtitel gibt die Richtung vor: „Art As An Investment?“ (Kunst als Investment?) fragt Melanie Gerlis rhetorisch und deutet damit an, wie die Antwort ausfällt. Die Redakteurin des britischen Journals „Art Newspaper“ vergleicht Kunst mit anderen Anlageklassen. Es geht der Autorin nicht um das Artflipping, das zur Zeit in aller Munde ist. Dabei werden Kunstwerke innerhalb kurzer Zeit, meist binnen Monaten, manchmal jedoch nur Wochen, gekauft und weitergereicht. Dieses Phänomen ist nicht neu, Begriff und Ausmaß sind es schon.

Gerlis zielt vielmehr auf den Kern eines Marktes, den Banken, Anlageberater und Betreiber von Fonds nicht müde werden herbeizureden. Sie nimmt den Ball auf und behandelt Kunst als Wirtschaftsgut. Wie schlägt sich diese Ware im Vergleich mit anderen Geldanlagen? Gerlis geht streng systematisch vor und stellt Kunst den jeweils verschiedenen bekannten Anlageklassen gegenüber. Jedem dieser Verhältnisse widmet sie ein Kapitel. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden herausgearbeitet und die jeweiligen Chancen gegen die Risiken abgewogen.

Vergleich mit Aktien hinkt

Den Anfang machen Aktien; ein Vergleich, der gerne bemüht wird, aber hinkt. Schließlich stehen reale Unternehmenswerte hinter dem Wertpapier, das im Idealfall sogar jährlich Dividende abwirft. Zudem sind Aktien, sofern es sich nicht um exotische Nebenwerte handelt, äußerst liquide und könne in Sekunden an der Börse gehandelt werden, während es beim Verkauf eines Gemäldes über ein Auktionshaus von der Einlieferung bis zum Geldeingang auf dem Konto mehrere Monate dauern kann – wenn es überhaupt zu einem Zuschlag kommt.

Die klassische alternative Geldanlage Gold ist der Kunst insofern ähnlich, als dass das Edelmetall weder produktiv ist noch verbraucht wird. Als vergleichbar wird oft eine vermeintliche Wertbeständigkeit ins Feld geführt. Das gilt allerdings nur für einen kleinen Teil der Kunst, nämlich für den kunsthistorisch abgesicherten Teil und dort auch wiederum für wenige Künstler, die zumindest seit Jahrzehnten und über verschiedene Kulturkreise hinweg geschätzt werden.

Wenige Luxusprodukte steigen im Wert

Der wesentliche Unterschied ist aber auch hier: Gold ist liquide, sein Preis überall gleich. Eine Unze Feingold ist überall, ungeachtet ihrer Provenienz, gleich viel Geld wert. Worauf die Autorin nicht eingeht: Den Wert von Gold muss man niemandem erklären, weder dem mongolischen Hirten noch dem schwäbischen Sparkassenangestellten. Den von Kunst schon.

Zu den weiteren Kategorien zählt Gerlis Wein, Immobilien und interessanterweise Luxusgüter. Da sich ein bestimmter (und immer mehr die öffentliche Wahrnehmung bestimmender) Teil des Kunstmarktes Vermarktungsstrategien und Kundschaft mit der Luxusindustrie teilt, liegt der Blick dorthin nahe. Allerdings gibt es nur wenige Produkte, deren Wert mit dem Alter zunimmt – egal wie glamourös die Marke ist. Den Uhrenmarkt übergeht die Autorin geflissentlich, oder sie schlägt ihn stillschweigend (und unzulässigerweise) dem Kunstmarkt zu.

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Vergleich mit anderen Geldanlagen hinkt

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Assets der Galerien sind die Künstler

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