"Kunst auf Lager": Netzwerk für deutsche Museumsdepots

"Kunst auf Lager"
Netzwerk für deutsche Museumsdepots

Manche Museen veranstalten lieber Aufsehen erregende Ausstellungen, als Geld in ihre deponierten Sammlungsbestände zu investieren. Jetzt gibt es die Stiftungskampagne „Kunst auf Lager“. Sie hilft beim Erschließen und Sichern unseres kulturellen Erbes.
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HamburgWas deutsche Museen so „auf Lager“ haben, ist zu einem relativ hohen Prozentsatz unsichtbar. 40 bis 90 Prozent der Sammlungen liegen im Depot – unter nicht immer optimalen Lagerbedingungen. Vieles ist unzureichend oder gar nicht erschlossen und damit praktisch tot, manches noch unerforscht. Um auf diese immer wieder diskutierten Probleme hinzuweisen, haben jetzt zwölf renommierte Stiftungen die Kampagne „Kunst auf Lager“ ins Leben gerufen, allen voran die Hamburger Hermann Reemtsma Stiftung und die Kulturstiftung der Länder.

Die Initiative will für die vielfältigen Aufgaben des Museums sensibilisieren, die sich nicht darin erschöpfen, Ausstellungen zu zeigen. Genau so wichtig ist, was meist im Verborgenen stattfindet: die wissenschaftliche Erschließung der Bestände, ihre Erforschung und ihre konservatorische Betreuung.

Kulturelles Rückgrat einer Gesellschaft

Auch wenn Museumsdepots nicht sichtbar sind, bilden sie doch das kulturelle Rückgrat der Gesellschaft. Und damit haben sie ebenso viel Aufmerksamkeit und Pflege verdient wie die Werke, die zur Schau gestellt sind. „Die erste Aufgabe eines Museums ist laut Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung, „der sorgsame und pflegliche Umgang mit der anvertrauten Sammlung, das heißt die Sicherstellung einer dauerhaften Überlieferung für nachfolgende Generationen.“

Die Forderung der Initiatoren, bei denen es sich schwerpunktmäßig um norddeutsche Stiftungen handelt, richtet sich dabei auch deutlich an die Politik. Hier soll der Förderfokus endlich stärker auf die weniger populären Leistungen der Museen gerichtet werden, ohne natürlich die prestigeträchtigen Sonderausstellungen zu vernachlässigen. So könnte die Kampagne auch jenen Museumsdirektoren auf die Sprünge helfen, die lieber auf wirkungsmächtige Ausstellungen setzen, als sich um ihr Depot zu kümmern. Schnell und einfach ist der Schuldige sicher nicht zu finden, wenn es um die vernachlässigten Depots geht.

Offenes Netzwerk

Weitere Stiftungen sollen sukzessive zum Beitritt in dieses offene Netzwerk eingeladen werden, damit die Initiative eine deutschlandweite Wirkung entfalten kann. Aktuell sind zwölf private und öffentliche Institutionen in diesem partnerschaftlichen organisierten Bündnis vertreten, darunter die „VolkswagenStiftung“, die „Niedersächsische Sparkassenstiftung“, die „Richard Borek Stiftung“, die „Rudolf-August Oetker Stiftung“ und die „Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius“. Sie alle bieten auf dieser Plattform auch ihre Dienste an, um Museen und Sammlungen zu helfen. So bieten sich etwa  forschungsfördernde Stiftungen wie die Gerda Henkel Stiftung als Ansprechpartner für jene Häuser an, die ihre „Kunst auf Lager“ wissenschaftlich aufarbeiten und in größere Zusammenhänge stellen möchten. Andere Stiftungen sind Anlaufstellen für konservatorische und restauratorische Vorhaben oder helfen bei Infrastruktur und Logistik.

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