Kunst auf Papier, klassische Antiquitäten und die Moderne prägen die 48. Münchner Schau
Messe mit breitem Spektrum

Die 48. Münchner Kunstmesse (11. bis 19. Oktober) vereint auf einer Ausstellungsfläche von rund 11.000 Quadratmetern der Halle A 6 des Messegeländes im Stadtteil Riem insgesamt 108 Aussteller.

MÜNCHEN. Die Sonderschau bestreitet der Wiener Sammler und Museumsgründer Rudolf Leopold mit Aktdarstellungen Egon Schieles: vier Ölbilder und zwölf Aquarelle. Das Angebot an Gemälden Alter Meister stützt sich auf sechs Galerien. Scheidwimmer verweist auf Salomon van Ruisdaels 1641 datierte "Flußlandschaft mit Fischerbooten" (bei Stechow die Nr. 502) zum Preis von 300 000 Euro und auf einen von Ambrosius Bosschaert d.J. vorzüglich charakterisierten "Blumenkorb" (190 000 Euro). An die 40 Werke offeriert De Jonckheere (Paris), darunter einige Neuentdeckungen: Lucas Cranachs d.Ä. Doppelporträt der sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise und Johannes der Beständige (500 000 Euro) und einen von Jan Brueghel d.J. auf Kupfer gemalten, signierten "Dorfplatz" (1,1 Mill. Euro).

Ingeborg Sühs-Frye ergänzt ihre Auswahl von Niederlän-dern des 17. und 18. Jahrhunderts durch ein Kabinett mit zehn Bildern des Leidener Genre-, Porträt- und Historienmalers Jacob Toorenvliet (1640-1719). Das Bild mit der Familie des jüngeren Bruders kostet 165 000 Euro; die fünf Zeichnungen von 1704 sind für 7 000 bis 9 400 Euro zu haben. Gemälde des 18. Jahrhunderts verbinden sich bei Neuhaus, Härtl und Mühlbauer mit hochwertigem Kunsthandwerk jener Zeit.

Den hohen Ansprüchen Gerhard Röbbigs dient die konsequente Gestaltung seines Pavillons. Der Erfindungsreichtum französischer Ebenisten zeigt sich in einem Pariser Damenschreibtisch von Lacroix (um 1775); ihn zieren vier große Meißener Porzellanplaketten im Aufsatz (390 000 Euro). In eine Pariser Uhr wurden Meißener Figuren nach Modellen von J. J. Kaendler montiert (125 000 Euro).

Florian Eitle (Böhler) verband sich mit der New Yorker Blumka Gallery zu einem Gemeinschaftsstand. Er bietet ein bedeutendes Reliquien-kästchen mit einer Kreuzigungsgruppe aus dem Limoges der Zeit von 1190-95 (380 000 Euro), ein ebenfalls seltenes Kerzenleuchter-paar aus Limoges oder Silos (um 1160) ist mit 575 000 Euro beziffert.

Auch die Galerie Neuse kehrte zurück, diesmal mit der Absicht, auf hochrangige Arbeiten des Historismus auf-merksam zu machen: mit einem 1883 für Prinz Arnulf von Bayern gefertigten Silber-Ensemble (185.000 Euro) mit einem Weihegeschenk der Schüler des Historienmalers Carl von Piloty (135 000 Euro).

Gertrud Rudigier gibt der Messe jetzt wieder die Ehre mit einer gro-ßen Sammlung von Gläsern aus den Hofkellereien der sächsischen Kurfürsten (5 000 bis 40 000 Euro) und mit der Londoner Automatenuhr in Gestalt eines Rhinoceros, einem signierten Hauptwerk von James Cox, um 1765-72 (800 000 Euro).

Die Silberspezialistin Helga Matzke verweist auf einen vergoldeten Breslauer Krug mit Alllianzwappen von 1666 (50 000 Euro) und auf ein sehr frühes Breslauer Tafelleuchterpaar in Form eines Bündelpfeilers von 1685 (35 000 Euro). Ein Deckelkrug aus Neiße (um 1600/10) kostet bei Henrich 28 800 Euro.

Ihrem Ruf, das beste Angebot an Möbeln präsentieren zu können, will auch diese Münchner Messe ge-recht werden. Dafür stehen nicht zuletzt Gierhards, Franke, Marschall, Keul, Mühlbauer und Schlapka. Franke hat einen prachtvollen Barockschrank aus dem ober-österreichischen St. Florian für 174 000 Euro und ein raffiniertes Mainzer Schreibmöbel (um 1780) für 56 500 Euro.

Als Skulpturenspezialist erweist sich erneut Walter Senger. Der Riemenschneider-Werkstatt zugeordnet wird eine um 1490 geschnitzte Lindenholz-Madonna mit Kind (115 000 Euro). Bei Esch gelten zwei fast ganz original gefasste Flachreliefs von einem spätgotischen Flügelaltar als Werke vom Meister der Sterzinger Kreuztragung (88 000 Euro).

16 Teilnehmer lassen die Sektion "Kunst auf Papier" zu einem wesentlichen Faktor dieser Messe werden. Seinen hohen Rang bestätigt Tenschert mit dem zweibändigen, zum ersten Mal mit den Namen der Drucker (Schöffer und Fust) sowie dem Datum (14.8.1462) versehenen 48-zeiligen, durchgehend illuminierten Pergamentexemplar der "Biblia Latina". Die drei Miniaturen stammen von G. Giraldi, einem Meister vom Hof der d'Este (1,8 Mill Euro). Vor allem Zeichnungen des 18. bis 19. Jahrhunderts gibt es am Stand von Boerner, dazu einzelne Gemälde von Dahl oder Fearnley, dazu einige Altmeistergraphik. Sabrina Förster schließt sich an mit einer großen Baumlandschaft von Hackert (22 000 Euro). Unter den 45 Blättern des neuen Katalogs von Arnoldi-Livie genießen drei Zeichnungen Wilhelm Leibls besondere Aufmerksamkeit (ab 18 000 Euro).

Mit großen Namen vermag das Kunsthaus Bühler aufzutrumpfen: mit Corot (185 000 und 280 000 Euro), Courbet (450 000 Euro), Renoir (250 000 Euro) und Raoul Dufy (95 000 und zweimal 285 000 Euro). Günther Meier setzt auf Albrecht Adam (48 000 Euro), Bürkel (53 000 Euro), auf Schlesinger, Meyer von Bremen und Wittmer.

Mit 21 Ausstellern gut vertreten ist die Moderne. Mehr als 190 Werke zeigt Thomas, darunter Max Ernsts "Cimitière d'oiseaux" (1953) für 580 000 Dollar, E. W. Nays "Silber-bild" (1960) für 280 000 Euro und Picassos Kaltnadelradierung "Minotaure caressant une dormeuse" (1933) für 59 000 Euro. Schlichtenmaier konzentriert sich auf Hölzel (bis 33 000 Euro) und dessen Schule (Baumeister bis 210 000). Bei Salis & Vertes reicht die Spanne von Bonnard (700 000 Euro) und Seurat (480 000 Euro) über Miró (550 000 Euro) bis zu Gerhard Richter (120 000 Euro).

Für Muellers unlängst in der Hypo-Kunsthalle gezeigte "Badende im Dorfbach" (um 1920) erwartet Maulberger 800 000 Euro. Kirchners Fehmarn-Aquarell "Badende am Strand" wird von Westenhoff mit 95.000 Euro bewertet, Paula Modersohn-Beckers "Junge mit Ziege" bei Koch mit 165.000 Euro und Barlachs Bronze "Lachende Alte" bei Koch-Westenhoff mit 45 000 Euro.

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