Kunst-Auktionen
Der Wendepunkt im Kunstmarkt

Das Kunstgeschäft ist kein Selbstläufer mehr. Christie’s und Sotheby’s jüngste Auktionen für Impressionisten und Moderne Kunst am 6. und 7.11. in New York markieren einen Wendepunkt in der jahrelangen Erfolgsstory von Kunst und Käufern. Die Zeit der Höchstgebote ist vorbei.
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NEW YORK. Nach dem Triumph andauernder Preisschlachten und Rekordumsätze ist jetzt ein Schritt in die Mühen der Ebene getan. Gestern Abend verschmähten die Käufer bei Sotheby's ein Viertel der in der Kunstauktion angebotenen Gemälde. Zum ersten Mal in den letzten zwei Jahren blieb das Auktionshaus damit deutlich unter seinen Schätzungen. Insgesamt erzielten die Gemälde nur einen Gesamtpreis von 269,7 Mill. Dolllar. Deutlich weniger als die 355,6 Mill. bis 494,2 Mill. Dollar mit denen das Auktionshaus im Vorfeld rechnete. Dass viele Sammler den Höhepunkt erreicht sehen und von der Hausse noch profitieren möchten, beweisen die extrem vielen Einlieferungen von Kunstwerken zum Herbst.

Doch das große Angebot stößt auf eine begrenzte Nachfrage: Bei Franz Marcs Gemälde „Wasserfall (Frauen unter einem Wasserfall)“ setzt Sotheby’s junger Chefauktionator Tobias Meyer einen Einstiegspreis von 15 Mill. Dollar an. Meyer steigert das Hauptwerk des früh verstorbenen Malers in 500 000-er Schritten nach oben. Sein Blick tastet die vielen Reihen im Auktionssaal ab, sucht Halt bei den langen Tischen mit Telefonen, wo seine Kollegen Kunden bedienen, die anonym bleiben wollen.

Bei 17 Mill. Dollar hebt Caroline Lang mit dem Hörer am Ohr die Hand und meldet ein Gebot an. Sie betreut für Sotheby’s in Genf russische Kunden, heißt es. Besorgt hält Meyer Ausschau nach einem zweiten oder dritten Bieter. Nur dann kann er den Preis so flott nach oben treiben, wie man es von ihm gewohnt ist. Doch niemand rührt sich, viele Saalbieter ‚schnacken’ mit ihren Nachbarn. Unruhig - schon sieben Werke hatten bei Sotheby’s Abendauktion keine Käufer gefunden – läuft Meyers Blick über den Köpfen hin und her. Das Minimum, das der Einlieferer erwartet, ist noch nicht erreicht. Meyer steigert den prismatisch aufgebauten „Wasserfall“ auf das Limit von 18 Mill. Dollar und schlägt ihn Caroline Lang ohne Gegengebot zu. Im Vorfeld war das Gemälde auf bis zu 30 Mill. Dollar geschätzt worden. Glück für den Käufer also, mit Aufgeld kostet ihn das quadratische Gemälde nur 20,2 Mill. Dollar - immer noch ein Rekordpreis für einen Marc. Für weniger als die Hälfte war es 1999 bei Sotheby's in London ersteigert worden.

Ob dieser zurückhaltende Saisonauftakt schon der Anfang vom Ende der Hausse ist, oder nur eine gesunde Marktbereinigung, das hängt von den kommenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Bisher jedenfalls ist die Kunst der Klassischen Moderne noch eine alternative Anlageform, in die an zwei Abenden 664,7 Mill. Dollar geflossen sind.

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