Kunst in Frankfurt
Max Hollein: Herr der Museen

Mit gerade mal 32 Jahren wird Max Hollein Direktor der Schirn Kunsthalle in Frankfurt. In der gleichen Stadt, nur vier Jahre später, übernimmt der gebürtige Österreicher auch noch die Leitung des altehrwürdigen Städel-Museums und der Liebieghaus-Skulpturensammlung. Der 36-Jährige bringt Kunst und Kommerz zusammen und ist damit die Schlüsselfigur in der Museumslandschaft der Bankenstadt.
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FRANKFURT. Manche halten ihn für Deutschlands erfolgreichsten Kulturmanager, andere mögen ihn genau deshalb nicht. Max Hollein ist Herr über gleich drei wichtige Kunstinstitutionen Deutschlands und hat den Ruf als König des Kultur-Marketings. Doch er ist kein Mann, dem Kulturszene oder Feuilleton gleich Beifall spenden. Er hat ihn sich hart erarbeitet.

Als der Österreicher 2001 nach Frankfurt kam, galt er als zu amerikanisiert, als zu jung und unerfahren. Mittlerweile zählt ihn das renommierte britische Kunstmagazin Art Review zu den zehn wichtigsten Museumsdirektoren der Welt, in einer Liga mit den Chefs der Tate Modern in London, dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York oder dem Centre Pompidou in Paris. Hollein ist zwar ein Mann des Managements und des Marketings. Aber aus der Frankfurter Kunstszene ist er nicht mehr wegzudenken.

Wenn Hollein heute wie fast jeden Tag mit dem Fahrrad über eine der Frankfurter Mainbrücken fährt, sieht er um sich die Pole seiner beruflichen Existenz: Auf der einen Main-Seite die Kunsthalle Schirn, da wo Frankfurt mit Römer und Dom einmal eine Altstadt hatte und wo Holleins Frankfurter Karriere begann. Auf der anderen Mainseite, am Museumsufer, liegt das altehrwürdige Kunstmuseum Städel und unweit davon das Liebieghaus, die in einer Bürgervilla aus der Gründerzeit untergebrachte Skulpturensammlung.

Man kann es eine Blitzkarriere nennen: 2001 wird Hollein mit gerade mal 32 Jahren Direktor der Schirn, einem der wichtigsten Ausstellungshäuser für moderne Kunst in Deutschland. Dreieinhalb Jahre später wird der 1969 geborene Kunsthistoriker und Betriebswirt auch zum Direktor des Städel Museums berufen, der wichtigsten Kulturinstitution Frankfurts, gelebte Inkarnation der bürgerlichen Kulturförderung.

Wer in Frankfurt zählt oder zählen will, engagiert sich für das Städel und ist Mitglied im 1899 gegründeten Städelschen Museums-Verein. Sylvia von Metzler, Gattin des Frankfurter Bankiers Friedrich von Metzler, ist Vorsitzende des Vorstands, zu dem auch Commerzbank-Chef Martin Blessing gehört, ebenso Leonhard Fischer, ehemals jüngster Bankvorstand Deutschlands (Dresdner Bank), Pirkko Ackermann, Frau von Deutsche-Bank-Boss Joseph Ackermann sowie ZDF-Moderator Steffen Seibert. Über Hollein sagt Sylvia von Metzler: "Er ist ein Glücksfall für Frankfurt, er passt sehr gut zu dieser Stadt."

Holleins Ernennung selbst spricht Bände. "Die Findungskommission, das war ich", zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung den ehemaligen Vorstandschef von Altana, Nikolaus Schweickart, der Vorsitzender der Städel-Administration, dem Führungsgremium der 1815 begründeten Kulturinstitution, ist. Das riecht nach Frankfurter Klüngel. Näher an der Wahrheit liegt aber wohl dies: Das Zwitterwesen Hollein, halb Manager, halb Kunstmann, hat das Vertrauen der Banker und Manager. Er spricht ihre Sprache, kennt ihre Codes und Spielregeln, lässt einen millionenschweren Banker nicht als Kulturignoranten dastehen.

In der Kulturbranche ist das Echo auf Hollein geteilt. "Die Kombination aus Betriebswirt und eingefleischtem Kunsthistoriker erlaubt ihm eine ungewöhnliche Sichtweise auf die Museumsszene", sagt Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle in Mannheim. Bei der Finanzierung des Ausbaus der Museen habe sie sich schon Anregungen von Hollein geholt, sagt Lorenz, der in Mannheim noch die Generalsanierung und ein Neubauprojekt bevorsteht. "Die Ausstellungen sind wissenschaftlich immer fundiert, auch weil er seinen Mitarbeitern sehr viel Selbstständigkeit einräumt", lobt Lorenz aber auch Holleins inhaltliche Arbeit. Kritikern missfällt seine Machtfülle, mit denen er kleinere Institutionen zunehmend an die Wand drückt. Die ehemalige Leiterin des Frankfurter Kunstvereins, Chuz Martínez, soll deswegen resigniert ihren Job gekündigt haben.

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