Kunst-Konsumlaune ungebrochen
Ungeduldige Sammler heizen dem Markt ein

Der Kunstboom hält an. Motor der globalen Märkte sind die zeitgenössische Kunst und die Klassische Moderne, die sich für kunstverständige Reiche aus Russland, Indien und China zur Exklusivwährung entwickelt haben.

DÜSSELDORF. Für das erste Halbjahr 2006 meldet Christie’s ein Umsatzplus von 39 Prozent im Vergleich zu 2005. Sotheby’s nennt keinen Umsatz, sondern einen Gewinn von 248,3 Mill. Dollar. Da dürfte der Umsatz wohl niedriger liegen als bei der Konkurrenz. Dennoch war die Performance beeindruckend, der Cash-Flow stark. Deshalb zahlt Sotheby’s seit sechs Jahren seinen Aktionären wieder eine Dividende. Auch in Deutschland erhöhten sich die Umsätze beträchtlich: um rund 50 Prozent bei Lempertz (28,1 Mill. Euro brutto) und Ketterer (10,2 Mill. Euro brutto), bei Van Ham um 30 Prozent (7,3 Mill. Umsatz netto). Nagels Auktionen erlösten 16 Mill. Euro brutto, die der Villa Grisebach 14,6 Mill. Euro brutto, Hauswedell & Nolte 7 Mill. Euro brutto.

Die Weltwirtschaft befeuert die Kunst-Konsumlaune. Seit drei Jahren liegen die Wachstumsraten in Folge bei mehr als fünf Prozent. „Das hat es seit 30 Jahren nicht mehr gegeben“, bilanziert Ulf Sommer, Finanzexperte beim Handelsblatt. Dax und Dow Jones treten auf der Stelle, Zinsen und Festgeld sind vergleichsweise niedrig. Gold ist seit 2002 stetig gestiegen. Parallel dazu hat sich außergewöhnlich gutes Kunsthandwerk als Wertobjekt nach oben entwickelt. Doch Gold ist inzwischen nicht mehr nur Gegenindikator zu den Aktienmärkten, sondern auch Spekulationsobjekt. Der Wert des Edelmetalls schwankte in den letzten Monaten um fast ein Viertel. Dass Exklusivität nicht reicht, um auf dem wählerischen Kunstmarkt zu bestehen, zeigt der Rücklauf von musealen Kabinettschränken des deutschen Rokoko im Juli in London.

Motor der globalen Märkte sind die zeitgenössische Kunst und die Klassische Moderne. „Beide haben sich zur Exklusivwährung entwickelt für die kunstverständigen Reichen aus Russland, Korea, Indien und China“, bilanziert Andreas Rumbler, Chef von Christie’s Deutschland. Aber die Sammler sind ungeduldiger als früher. Sie wollen sehr schnell mit viel Geld eine gute Sammlung aufbauen und steuern sofort auf die so genannten „Blue Chips“ zu. Wächst das Bruttoinlandsprodukt weiter, wird es ein hervorragendes Jahr ’06.

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