Kunst
Skulptur rückt in den Blickpunkt

Der Rückzug der Marktheroen des Impressionismus und der Vormarsch der Klassischen Moderne setzte sich auch in den New Yorker Maiauktionen fort. Wieder hatten nur Schlüsselbilder von herausragender Qualität eine Chance.

NEW YORK. Zu hoch taxierte oder mittelmäßige Ware, selbst mit bedeutenden Namen, wanderte bei beiden Häusern unberührt zurück. „Der Markt boomt dank der Breite des Interesses und der internationalen Ausdehnung“, kommentiert David Norman von Sotheby’s die 235,3 Mill. Dollar, die am 7. Mai in die Kassen flossen. Für alle überraschend waren amerikanische Käufer in der Mehrzahl. Der durchschnittliche Lospreis wurde von Sotheby’s auf erstaunliche 5,7 Mill. Dollar beziffert, hochkatapultiert von 3,5 Mill. Dollar im November. Am Vortag hatte Christie’s für das je drittbeste Ergebnis in der Sparte bereits 277,3 Mill. Dollar eingenommen.

Zwei außerordentliche Raritäten waren Dreh- und Angelpunkt von Sotheby’s Soirée und enttäuschten nicht: Fernand Légers makelloses frühes kubistisches Schlüsselwerk „Etude pour ’La Femme en Bleu’“ (1912-13), vielleicht das letzte in privater Hand, sicherte Doris Ammann für eine internationale Sammlung zu 39,2 (35/45) Mill. Dollar. Edvard Munchs „Vier Mädchen auf der Brücke“ (1902), eine sehr einflussreiche berühmte Komposition in schönen Farben, erneuerte zum dritten Mal den eigenen Auktionsrekord, nun auf 30,8 (24/28) Mill. Dollar. Sotheby’s Caroline Lang, die häufig für russische Kunden agiert, sicherte sich den Zuschlag.

Begehr rief auch Henri Matisses schönes und seltenes Stillleben „Le Géranium“ (1910) hervor, dessen niedrige Taxe Bieter aus aller Welt bis zu 9,5 Mill (2,5/3,5) Dollar an den Telefonen hielt. Die New Yorker Acquavella Galleries siegten. Picassos Spätwerk „Le Baiser“ (1969) mit Raymond und Patsy Nasher-Provenienz wurde mit 17,4 Mill. Dollar weit über die Schätzung gehoben.

Auch bei Christie’s setzte sich am 6. Mai die Moderne durch. Zur Hochzeit des Impressionismus nutzte Claude Monet in „Le Pont du chemin de fer à Argenteuil“ (1873), einer himmelblauen Hommage an die Ingenieurskunst, Stilmittel, die weit in die Moderne vorausgreifen. Das verdiente den Spitzenpreis der Woche und einen beachtlichen Monetrekord von 41,5 (unveröffentlichte Taxe um 35) Mill. Dollar. Die Händlerfamilie Nahmad hatte das Bild 1988 in London für 12,8 Mill. Dollar erworben, ein schönes Investment. Monets zweiter Erfolg, ein quadratisches, sehr blassgrünes Seerosenbild (1908) litt an Erhaltungsproblemen und war einer europäischen Händlerin angemessene 11,6 Mill. Dollar wert.

Bilder in kräftigen Farben werden weiterhin verlangt. Nicht überraschend sicherte sich der heimische Handel Henri Matisses Porträt seiner Muse Lydia Delectorskaya „Portrait au Manteau bleu“ (1935) in sattem Lila, Grün, Rot und Blau zu 22,4 Mill. Dollar. Kees van Dongens aufreizendes Großformat der „Anita en almée“ (1908) auf tiefblauem Grund dagegen fand bei einer hoch gepokerten Taxe von 12/14 Mill. Dollar keinen einzigen Bewerber. Seit ihrem letzten Auktionsauftritt (1,5 Mill. Dollar netto) vor zwölf Jahren geriet die nun als matronenhaft empfundene Tänzerin aus der Mode. Eine rasche Rendite fuhr dagegen ein amerikanischer Sammler ein, der 2004 Joan Mirós handliches Format „La caresse des étoiles“ (1938) zu 11,7 Mill. Dollar kaufte und nun mit gut 17 Mill. Dollar in die Rekordannalen einschrieb.

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