Kunstauktion
Ein afrikanischer Hocker für 5,4 Millionen Euro

Der Markt für Kunst aus Afrika und Ozeanien spielt in Paris. Hier werden die Millionenzuschläge gemacht. Sotheby's schließt mit einem Höchstgebot für einen seltenen Hocker wieder an die Hochpreisphase an. 5,4 Mio. Euro kostete der Ritualsitz, dessen Sitzfläche von einer knienden Frau gestemmt wird.
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PARIS. "Ich habe die Ehre, eine Ikone der afrikanischen Kunst zu versteigern", kündigte Sotheby's Auktionator Alain Renner an, als er einen 51 Zentimeter hohen Hocker des Stammes Luba aufrief. Der kongolesische "Karyatiden-Sitz", getragen von einer knienden Frau und vom "Meister von Buli" geschnitzt, ging für 5,4 Mio. Euro vermutlich an einen amerikanischen Käufer am Telefon. Karyatiden waren in der griechischen Antike bekleidete weibliche Figuren, die anstelle einer Säule Gebälk stützten.

Das exzeptionelle Objekt näherte sich dem Tribal Art-Weltrekord von 5,9 Mio. Euro, den Paris seit 2006 für eine afrikanische Maske aus der Sammlung Verité hält. Der geschnitzte honigfarbene "Karyatiden"-Sitz kommt erstmals auf den Markt, da er seit 1899 in der belgischen Familie Bombeeck verblieb. Man kennt nur sechs Hocker mit einer knienden, auf den Fersen sitzenden Karyatide. Sie dienten den hohen Würdenträgern der Luba für die Rechtssprechung. Harry Boombecks "Karyatiden-Sitz" wurde 1931 in Rom, 1939 in New York und von 1941 bis 1945 in Buffalo ausgestellt und war auf dem Plakat der Ausstellung "Kunst aus dem Kongo" abgebildet, die 1938 in Antwerpen stattfand. Er war seit 65 Jahren nicht mehr zu sehen.

Weltweite Nachfrage

Dieses und andere hochkarätige Stammeskunst-Objekte brachten Sotheby's am 30. November wieder einmal "Full House": gut 200 Menschen befanden sich im Saal, wo sie stundenlang reglos und gebannt die Gebote und Zuschläge für einige Highlights der Tribal Art verfolgten. Etwa ein Viertel der Anwesenden, darunter der weltweite spezialisierte Handel, waren aktive Bieter. Die rund 15 Telefone bedienten besonders amerikanische und europäische Sammler.

Sotheby's ist Marktführer

Sotheby's bot zwei Auktionen mit afrikanischer und ozeanischer Stammeskunst an, die 11,6 Mio. Euro verbuchten. Sotheby's bot in zwei aufeinander folgenden Auktionen insgesamt 152 Lose an und schlug 116 zu. Aus der "New Yorker Sammlung" eines jungen Mannes, der 49 Lose bei Sotheby's einlieferte, stammte der Kopf einer Ahnenstatue des Stammes Fang aus Gabun, der sich anfangs in der legendären Sammlung Paul Guillaume befand.

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