Kunstauktionen: Christie's Erfolg verdankt sich der Breite seines Angebots

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Die Rosinen im Kuchen suchen

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Christie's Erfolg verdankt sich der Breite seines Angebots

Dass dazu eine Sammlung von 14 Degas-Bronzen gehörte, war eine Überraschung. Skulpturen etwa von Henry Moore bleiben stark - aber die Preise für die Wachsfigürchen, die nach Degas' Tod in Auflagen von jeweils 20 in Bronze gegossen wurden, stiegen förmlich in den Himmel. 14 Bronzen brachten elf Millionen Pfund, die doppelte Taxe. Es gab neun Rekordpreise für die Motive. Vor allem Pferde galoppierten davon: "Cheval au galop sur le pied droit", taxiert 300 000 bis 400 000 Pfund, wurde auf 2,6 Millionen Pfund gesteigert - da kamen ähnlich große Tänzerinnen nicht mehr mit. Man wird sehen, was von dieser Euphorie bleibt, wenn nun das Unvermeidliche geschieht und eine Flut solcher Bronzen auf den Markt schwemmt.

Star des Abends war René Magritte, von dem sieben Lose glänzend verkauft wurden - angeführt von dem frühen Gemälde "Les jours gigantesques" (1928), einer Mann-Frau-Komposition voller Anziehung und Abstoßung. Ein Privatmann in der dritten Reihe, den amerikanische Journalisten als den Finanzier Wilbur Ross identifizierten, stach ohne Zaudern die Händlerin Daniella Luxemburg sowie Magritte-Fans mit 7,2 Millionen Pfund aus.

"Ein intelligenter Markt, der das Offensichtliche ignoriert und auf konzeptuelle Werke setzt", lobte Spezialistin Giovanna Bertazzoni. Aber die kühle Einschätzung vieler ist auch, dass Magritte noch unterbewertet ist: "Le monde des images" verdoppelte die Schätzung auf 4,9 Millionen, "Scheherazade" auf drei Millionen Pfund und einen Superpreis erzielte eine mit dem Wolken und Männer mit Bowler-Hut bemalte Flasche mit 505.250 Pfund (Schätzung 150.000 bis 250.000).

Christie's Erfolg verdankte sich der Breite seines Angebots von frühesten Impressionisten bis zum späten Picasso. Mittelmäßige Fauvisten, durchschnittliche Expressionisten, Edvard-Munch-Gemälde, die von der Publizität des "Schrei"-Rekords profitieren sollten, erregten wenig Aufsehen. Aber um Monets Strandszene bei Honfleur von 1864 aus einer Lübecker Privatsammlung, die exakt den Punkt markiert, wo Monet aus der Malerei eines Gustave Courbet den Impressionismus heraustreibt, entbrannte ein heftiges Bietgefecht. Es hatte mit 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund die niedrigste Schätzung der drei Monets an diesem Abend und wurde mit 2,8 Millionen Pfund durch Kunstberater Cosmann Connery der teuerste. Kunstgeschichte zählt eben doch.

Starke 6,2 Millionen Pfund brachte eine pointillistische Istanbul-Ansicht Paul Signacs, die seit den 1920er-Jahren in Familienbesitz war. Paul Gauguins in einer norwegischen Sammlung entdeckte Landschaft im Hochformat von der ersten Tahiti-Reise kostete 4,5 Millionen Pfund. Morandis behutsames Stillleben aus der Zeit, in der er noch der "Pittura metafisica" verbunden war, hatte 2007 mit 1,4 Millionen Pfund einen Rekordpreis aufgestellt und konnte diesen mit 1,4 Millionen Pfund erneuern - Chinesen, angeführt vom Contemporary-Künstler Zeng Fanzhi, gehören nun zu seinen Sammlern.

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