Kunstauktionen
Die Rosinen im Kuchen suchen

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Marktführer ist und bleibt Picasso

Auch Kurt Schwitters ist gefragt. Nachdem im Februar eine Merz-Collage von 1921 mit 870.000 Pfund die Schätzung verfünffachte, machten sich Christie's Kunstakquisiteure auf die Suche und wurden mit einer kompakten, musealen Assemblage von 1919 fündig. "Eine Million", rief ein ungeduldiger Bieter hinten im Saal, als man gerade bei 620.000 Pfund war. Doch der wild Entschlossene musste schließlich mit 1,3 Millionen Pfund (1,6 Millionen Euro) einen neuen Rekordpreis bewilligen.

Picasso bleibt Marktführer: Zu dem Sechs-Millionen-Pfund-Picasso bei Sotheby's gesellte sich nun "Femme au chien" von 1962 für knapp sieben Millionen Pfund. Kunsthändler Aquavella holt das aus einer kalifornischen Sammlung bei Christie's eingelieferte Bild "Femme assise" von 1949, als Toplos des Abends für 8,5 Millionen Pfund in die USA zurück. Bei Sotheby's hatte Aquavella sich Pierre Bonnard schönen Akt "Nu Debout" für 4,5 Millionen Pfund günstig gesichert. Etwas mehr hätte sich Christie's wohl für die Picasso-Radierung "Repas Frugal" erhofft. Sie wurde unter den Gemälden verkauft, weil es einer der wenigen Abzüge vor der Verstählung der Platte für Vollards Großauflage von 250 Exemplaren war. Der Einlieferer hatte das gratige Blatt 1992 aus der Sammlung Otto Schäfer für 660.000 Schweizer Franken ersteigert. Nun kostet es knapp zwei Millionen Pfund.

Die Kunstkäufer konzentrieren sich jetzt auf das, was sie für das Wertbeständigste halten. Das macht einen Markt nicht stärker, der von den Zufällen und Unwägbarkeiten des Angebots abhängig ist. Aber Philipp von Württemberg räumte ein, dass es noch schwerer geworden sei, die gute Ware in die Auktionssäle zu locken: "Würden Sie verkaufen, wenn Sie gute Kunst hätten und niemand weiß, wie man sein Geld anlegen soll?"

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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