Kunstbiennale Palästina
Auf den ganz normalen Wahnsinn reagieren

Politischer Widerstand stößt in Palästina an enge Grenzen. Viele Künstler nutzen jedoch die Freiräume der Kunst. Die palästinensische Kunstbiennale „Qalandiya International“ ist ihr Sprachrohr.
  • 0

JerusalemVon Adorno stammt das Bonmot, in Österreich habe die Revolution in der Musik stattgefunden, weil das Betreten des Rasens verboten war. In Palästina scheint heute ein Gutteil des vormals politischen Engagements in der Kunst am Werke zu sein, da die israelische Übermacht jeden Widerstand verunmöglicht. Österreichische Musik und palästinensische Kunst verdanken dieser Konstellation einiges.

Die zweite Ausgabe der palästinensischen Kunstbiennale „Qalandiya Interantional“ mit über 100 Künstlern zeigt noch bis zum 15. November 2014 sowohl arrivierte als auch junge, noch unbekannte palästinensische Künstler, dazu Auftragswerke von internationalen Künstlern.

Dabei ist die Qalandiya International eine Graswurzel-Biennale, eine Bündelung der Bemühungen von 13 Kunstvereinen, Stiftungen, Galerien in Jerusalem. Ramallah, Haifa und Gaza. Sie kommt ohne Starkurator und großes Budget aus. Das Resultat ist vielfältig, manchmal disparat, aber fast immer aussagekräftig.

Erträumtes Palästina

Die verschiedenen Ausstellungen nähern sich dem Thema der Biennale, „Archives: Lived and shared“, auf ganz unterschiedliche Weise. In Haifa zeigt die Arab Culture Association (ACA) unter dem Titel „Manam“ Umrisse eines erträumten Palästina. An der von Rula Khoury kuratierten Ausstellung nehmen arrivierte Künstler wie Suleiman Mansour, Sharif Waked oder Vera Tamari ebenso teil wie jüngere Künstlern, die aber auch bereits international ausgestellt und gekauft werden, etwa Amer Shomali, Mohammed Hawajri, Khaled Hourani oder Yazan Khalili.

In Ramallah im Westjordanland ist Experimentelleres der jüngsten Generation palästinensischer Künstler zu sehen. So zum Beispiel in den Beiträgen zum „Young Artist of Year Award“ (YAYA) der Qattan Stiftung. In der von Viviana Checchia kuratierten Ausstellung „Suspended Accounts“ überzeugt vor allem Farah Salehs Zeitreise in die palästinensische Geschichte. In vier nachgebauten Klassenzimmern der Interdom Schule in Moskau, in denen die Kinder parteitreuer palästinensische Kommunisten die Schulbank drückten, kann der Betrachter nach dem Absingen von „Bandiera Rossa“, hopsend vom Boden abheben „wie das Raumschiff Vastok“.

Seite 1:

Auf den ganz normalen Wahnsinn reagieren

Seite 2:

Ironische Betrachtungsweisen

Kommentare zu " Kunstbiennale Palästina: Auf den ganz normalen Wahnsinn reagieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%