Kunstfälschung
Ein Urteil stärkt die Rechte des Käufers

Wer auf Versteigerungen mitbieten möchte, tut gut daran, sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen genauer anzuschauen. Das ist Schlussfolgerung aus einem Urteil, das am Oberlandesgericht München gefällt wurde. Die Entscheidung stärkt jedoch die Rechte des Käufers. Auktionshäuser können sich in Zukunft nicht mehr auf weitreichende Haftungsausschlussklauseln zurückziehen.
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DüsseldorfWer ein Kunstwerk ersteigert, das sich später als Fälschung entpuppt, trägt in Zukunft ein deutlich geringeres Risiko, auf den Schäden sitzen zu bleiben. Das ist die Konsequenz eines Urteils, das in der vergangenen Woche am Oberlandesgericht München (OLG) gefällt wurde.

Bisher konnte sich ein Versteigerer über seine Allgemeinen Versteigerungsbedingungen (AGB) von der Haftung frei zeichnen (sog. Gewährleistungsausschluss), sofern er nachweisbar seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen war. Entsprechende Entscheidungen hatte der Bundesgerichtshof (BGH) 1975 und 1980 in seinen sog. „Jawlensky“- und „Bodenseeauktion“-Urteilen gefällt. Die Münchner Entscheidung vom 26. Juni hat diesen Grundsatz nun mit Blick auf den inzwischen gestärkten Verbraucherschutz beschränkt.

Einigungsversuch vor dem Prozess

Hintergrund der Münchner Entscheidung war die gerichtliche Auseinandersetzung um eine Buddha-Statur, die ein Schweizer Kunstsammler 2009 in einem am Bodensee ansässigen Auktionshaus erworben hatte. Wie aus einem Schreiben der Münchner Societät PHIDIAS Rechtsanwälte hervorgeht, war die Statue „im Auktionskatalog als Sitzender Buddha, Dyana Asana, der Sui-Dynastie (581-618)“ zugeordnet worden. Nach der Auktion habe sich jedoch herausgestellt, dass es sich „um eine Fälschung aus neuerer Zeit“ handelt. Das hätten auch die Gutachten im Gerichtsverfahren ergeben.

Nach Angaben von Rechtsanwalt Florian Mercker hatte der Schweizer Sammler in dem Verfahren um „die Rücknahme der gefälschten Buddha-Statue Zug-um-Zug gegen die Rückzahlung des bezahlten Kaufpreises nebst Aufgeld und ihm entstandener Gutachterkosten“ begehrt. Insgesamt soll es um einen Streitwert in Höhe von etwa 24.000 Euro gegangen sein. Zuvor hatte sich der Sammler um eine vorprozessuale Lösung mit dem Auktionshaus bemüht, die jedoch scheiterte. Auch „der vom Versteigerer offen gelegte Einlieferer“ habe sich „zu einer Regulierung nicht bereiterklärt“, heißt es in der Mitteilung der Kanzlei.

Korrektur der ersten Instanz

In der ersten Instanz hatte das Landgericht München noch zugunsten des Auktionshauses entschieden. Das OLG München korrigierte das Urteil jedoch u.a. wegen unangemessener Benachteiligung des Käufers. In seiner kundenfeindlichsten Auslegung bedeute der Gewährleistungsausschluss des Versteigerers nämlich, dass dem Käufer „keinerlei Ansprüche gegen das Auktionshaus oder den Einlieferer wegen einer Fälschung“ zustünden, erläutert Mercker. Das gelte selbst dann, wenn der Käufer auf eigene Kosten dem Versteigerer den Nachweis einer Fälschung erbringe. Das Auktionshaus sei auch nicht verpflichtet, gegen seinen Einlieferer „eine Rechtsverfolgung zugunsten des Käufers durchzuführen“.

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  • das trifft bei einem Kunsthändler ,der Eigenware verkauft sicherlich zu,aber nicht für einen Versteigerer,der in Kommission tätig ist,d.h. im Auftrage des Einlieferers. Dieser sollte dann auch lt. BGH schon haften.

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    es ist äußerst interessant, wie das Geldverdienen gerechtfertigt wird. Es geht immer darum, so viel wie möglich zu verkaufen. Die Helden der Arbeit sind die Verkäufer, die mit ehrbaren, aber leider auch mit unehrbaren Mitteln ihre Quoten und ihren Status zu erhöhen versuchen, es sogar müssen, weil über ihnen weitere Verkäufer in noch größeren Dimensionen stehen. Es fängt beim Aale-Peter an, der kein klassischer Fischhändler mehr ist, sondern, der mit einer gezielt eingesetzten Verkaufsstrategie industriell abgepackten Fisch unter das Publikum bringt. Wir gehen zum Herrenausstatter, damit wir unserem Typ entsprechend den besten Anzug erhalten, wir rechnen nicht damit, dass wir am Ende einer Verkaufsstrategie stehen, bei der schon, noch bevor wir den Laden betreten haben, festgelegt wurde, welches Produkt zu uns passt, oder besser, welches Produkt uns verkauft werden muss. Wer mehr Geld „hinlegt“, kann anderes erwarten, wer sich einer bestimmten Branche anvertraut, ebenfalls. Ich gehe nicht zum Arzt, um selbst für meine Diagnose verantwortlich zu sein. Ich gehe nicht zum Kunsthändler, um selbst feststellen zu müssen, was Fälschung ist und was Original. Ich vertraue den Fachleuten, weil ich selbst nicht in der Lage bin, derartige Entscheidungen zu treffen. Und wenn ein Kunsthändler es auch nicht ist und das Risiko dem Kunden überlässt, dann darf er in seinem Beruf nicht erfolgreich sein, dann stehen die Moral und noch mehr die Berufsehre dagegen.

    Hochachtungsvoll, Ihr
    Ole R. Börgdahl

  • juristisch wirft der Artikel einiges durcheinander.Die Versteigerungsbedingungen des betroffenen Auktionshauses Zeller am Bodensee waren nun wirklich dürftig und sind wahrlich nicht mit denen führender Häuser vergleichbar.Ich verstehe aber,dass Auktionshäuser nicht für etwas haften können was ihnen nicht gehört.Das sollte schon der Einlieferer,der in der Regel 90 Prozent des Erlöses erhaelt.Richtungsweisend ist das Urteil nicht.

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